Auf den Schwingen des Simurgh


In die Gegenwart

     Deine gesamte Wahrnehmung vibriert und um dich herum befindet sich immer noch alles in Bewegung, nur diesmal in einer genau festgelegten dir unbekannten Choreographie. Du nimmst Formen und Energiebahnen wahr, die sich in anmutiger Harmonie in engelsgleiche Gestalten wandeln um sich sogleich wieder aufzulösen. Du siehst sieben verschiedene, kreisförmige Segmente sich jeweils in harmonischem Verhältnis zueinander befindend ineinander immer aufs Neue verschachtelnd gegenläufig drehend - und du befindest dich genau in der Mitte davon. Außen herum siehst du Wesen - oder Dinge, die Wesen ähneln - mit vier, acht und zwölf schwingenartigen Formen, die um sie herum schwirren und vibrieren. Dreiecke in allen Größen beherrschen dein Sichtfeld und still im Inneren formt sich ein gigantisches Achteck zu einem sich gegenseitig reflektierendem Prisma.

     "Willkommen in meinem Palast!" - Die Stimme formt sich tief in dir. Du nimmst einen sehr langen, schlangenartigen Drachenleib wahr, der sich entfaltet hat und sich nun um dich herum windet. Du siehst vier oder fünf Beine und den unglaublich schönen Drachenkopf, der sich dir zuwendet. Schwingen liegen zusammengefaltet eng am Körper "Wir befinden uns nun in meinem Palast. Was du wahrnimmst, das ist bereits durch mich gefiltert und nur deswegen für dich überhaupt erträglich." - Dir fehlen die Worte. Der überwältigende Eindruck prägt sich tief in dein Bewußtsein und du kannst nun Henoch verstehen, dem es ebenso erging und der seine Eindrücke versucht hat, in primitive Worte zu kleiden. "In der Mitte, dort wo wir uns befinden, ist die Sphäre, die meine Essenz in sich birgt - du weißt ja, wir werden gerne mit einer Drachenperle dargestellt, die von Flammen umrandet wird. Einen Moment, ich werde deine Wahrnehmung etwas modifizieren, damit du ein bisschen klarer damit kommst" - Langsam beruhigt sich deine innere Sicht und du siehst nun langsam einen unglaublich schönen Palast um dich herum entstehen. Geometrische Formen wandeln sich in Wände, Böden und wunderschöne Bilder. Ein chinesischer Palast, wie du schnell bemerkst. Seine Holzwände sind mit Drachen verziert und alles ist entweder bemalt oder mit Seidenteppichen geschmückt. Alles in dem Palast leuchtet von innen heraus und erinnert dich daran, dass dies nur ein Bild ist. Shemyaza jedoch bleibt nach wie vor Drache. Er führt dich in einen großen Raum, der sich in der Mitte der Anlage befindet. Trotz seiner Größe sind die Bewegungen des Drachens sehr anmutig, fast katzengleich.

     "Als wir von unserer Heimatwelt aufbrachen, trennten sich unsere Wege und wir verteilten uns in kleinen Gruppen über das gesamte Kontinuum. Ich führe eine dieser Gruppen neben den anderen als eine Art Navigator an. Es gibt insgesamt nur fünf dieser Paläste - für jede Himmelsrichtung einer und einer im Zentrum. Unsere eigentliche Zahl hier auf der Erde ist etwas größer. Sie ist jedoch viel kleiner als viele vermuten. Das hier ist eine Art Steuerzentrum - die Sphäre ist das Herzstück von dem Palast. Wie ich dir bereits angedeutet habe, sind der Palast und meine Wenigkeit beides Erscheinungen von mir, die sich in dem dir wahrnehmbaren Raum unabhängig voneinander manifestiert haben. Die Sphäre symbolisiert natürlich weit mehr als nur das, was der Taoismus darin sieht. In neuerer Zeit wurden unsere Paläste sogar schon einmal fotographiert, gezeichnet wurden sie mehrmals. Sie haben einen Durchmesser von ungefähr dreieinhalb Kilometern, und sind achteckig - zwei Pyramiden ineinander gelegt ergeben einen Oktaeder, wenn die Grundfläche ein Quadrat ist. Allerdings sind diese Paläste nur bis zu zwanzig Meter hoch. Alles, was sich in diesen Gebilden befindet ist ein Teil von jeweils einen von uns. Das, was du also hier in gefilterter und interpretierter Form siehst, ist Teil von mir selbst. Wir sind vor den Augen der Menschen und ihren Sensoren gut versteckt. Um uns zu tarnen verwenden wir verschiedene sehr niedrige Frequenzen, die es uns erlauben, den Verstand so zu beeinflussen, dass wir ignoriert werden. Wir sind nicht unsichtbar, wir werden nicht beachtet. Die Form unserer Paläste ist außerdem so unerwartet, dass sie aus dem Raster des Gewohnten herausfallen. Normalerweise sind wir nicht in der Nähe von großen Städten zu finden. Aber manchmal kreuzen sich die Pfade. Vielmehr haben wir oft Probleme mit den raumseitigen Gästen der Erde, die gelegentlich sogar aggressiv auf unsere Anwesenheit reagieren. Dass solche Versuche zweckfrei sind, bemerken sie gelegentlich erst dann, wenn es zu spät ist: wir nehmen keine Kontakte auf und ganz besonders Aufdringliche erhalten die Gelegenheit, sich wieder mit dem kosmischen Bewußtsein zu vereinen. Die Vibrationen, die du wahrnimmst, werden von gegenläufig rotierenden elektromagnetischen Feldern erzeugt, die so stark sind, dass sie Stromkreise unterbrechen, Metall zum Schwingen bringen und das menschliche Bewußtsein stören könen. Diese Felder können in einer sehr viel menschlicheren Form von euch ebenso generiert werden - ihr nennt das dann Merkaba-Meditation. In deiner fleischlichen Form könntest du hier nicht überleben. Du würdest sofort dein Bewußtsein und dein Gedächtniss verlieren und da dein Herz von einem elektrischen Impulssystem abhängig ist, wäre ein sofortiger Herzstillstand die Folge. Da ein Palast wie dieser hier sehr groß ist und im gewissen Sinne auch den Gesetzen der Raumzeit unterliegt, müssen wir diesen Gesetzen Respekt entgegenbringen. Die Magnetfelder werden durch die schnelle Rotation mehrerer elektromagnetischer Felder erzeugt die Geschwindigkeit ist sehr hoch. Sie erzeugen Graviphotonen, deren Natur es ermöglicht, dass diese Gebilde in der Luft stehen bleiben oder sich bewegen. Das sorgt dafür, dass du einen Palast als solchen immer in sehr vielen verschiedenen Perspektiven gleichzeitig wahrnimmst, da bereits relativistische Effekte beginnen, die Wahrnehmung zu verzerren. Auch wirst du etwas sehen können, außerhalb, das uns Drachen in Asien ebenso zugeschrieben wird: Das jahrtausende alte Symbol der Swastika, des Balkenkreuzes. Diese Balkenkreuze spritzen förmlich von einem sich in der Atmosphäre befindenden Palast weg, und sorgen in der optischen Wahrnehmung für ein eigenartiges Schwirren und eine Verschwommenheit der Materie. Jedenfalls werden durch die verschiedenen physikalischen Wechselwirkungen Myriaden kleiner sich mal schneller oder langsamer auflösender Sphären gebildet. Sie sind in vier Segmente unterteilt und dadurch erscheinen sie als Balkenkreuze, da der Außenbereich langsamer rotiert und sich dadurch verzieht. Sie sind eine Auswirkung dieser Felder auf die Atmosphäre. Die Asiaten jedenfalls bewahrten dieses Wissen und bringen mit der Swastika die Sonne in Verbindung - was ja nicht allzu verkehrt ist."

     Vor dir erscheint eine Art Schirm, auf dem du die Erdoberfläche sehen kannst, die unter euch dahinfliegt. Eine gigantische Pyramide taucht in deinem Blickfeld auf. "Wir befinden uns nun in Zentralchina im Ts’in Ling Shan Gebirge. Diese Pyramide, die du dort sehen kannst hat eine Basislänge von etwa 500 Metern und eine Höhe von knapp 300 Metern. Du wirst nirgendwo darüber Berichte finden außer einer alten Fotographie. Wir haben auf dem gesamten Globus ähnliche Objekte errichtet und errichten lassen um den Kontakt mit der Erde an diesen Orten zu pflegen. Eigentlich haben wir solche Örtlichkeiten nicht nötig, aber es gab eine Zeit, in der die Menschen mit uns sehr viel offener und leichter verkehrten als das heute der Fall ist. Diese Objekte wurden auch errichtet um es den Menschen leichter zu machen mit uns Kontakt aufzunehmen. Einige davon sind heute noch in Funktion. Heute ist es so, dass wir selten in Kontakt treten mit den Menschen und wenn, dann sind wir sehr viel unauffälliger. Wir beobachten sie sehr genau. Es ist nicht das erstemal, dass die Menschheit das Potential besitzt, sich selbst vollständig auszulöschen. Allerdings, wie ich dir bereits beschrieben habe, mischen wir uns nicht in diese Belange ein. Würde sich die Menschheit heute im atomaren Wahnsinn auslöschen, würden wir selbst einfach weiterziehen und andere Welten suchen. Wir sind hier nur zu Gast. Von daher kann ich dich beruhigen: wir nehmen keinerlei direkten Einfluß auf die einzelnen politischen Entwicklungen. Unser Betätigungsfeld liegt in der Entwicklung des Bewusstseins und nicht in den leeren Versprechungen der Illusion."

      Nun beginnt wieder eine schnellere Abfolge innerer Bilder deine Wahrnehmung zu überlagern. Du siehst abgelegene Bergklöster im Himalaya, Schamanen, die in der Tundra trommeln, Himmelslianen und auch Menschen die in modernen Städten unauffällig leben. "Wenn wir uns entscheiden, eine Verkörperung durchzuführen, erhalten wir damit die Möglichkeit, mit Menschen direkt zu sprechen, ohne dass sie mitbekommen, wer mit ihnen spricht. Allerdings müssen wir um das zu gewährleisten, auf viele Dinge verzichten, die der menschlichen Physis schaden könnten. Die spontante Selbstverbrennung, die immer wieder mal dokumentiert ist, ist eine eher schnelle und brachiale Methode, den Leib zu verlassen wenn er nicht mehr notwendig ist - sie wird nur in seltenen Fällen verwendet. Ich selber benutze diese Austrittsmethode nicht, da nicht nur der Körper dabei Schaden erleiden würde sondern auch die nähere Umgebung.

     Von der Wächterkultur ist heute bedauerlicherweise nicht mehr viel übrig geblieben. Die Nebel der letzten Jahrtausende und die Wirren der Zeit haben fast alles zerstört, was davon noch übrig geblieben ist. Der Brand der Bibliothek von Alexandria und die Bücherverbrennung der Nomadenhorden in China haben einige sehr wertvolle Wissensammlungen für immer vernichtet. In Indien erhielten sich viele Bruchstücke bis in die heutige Zeit - sie sind zum Teil noch immer nicht aus dem Altindischen übersetzt. In den Texten liegen viele Geheimnisse in der Sprache verborgen. Es war eine übliche Praxis, die Sprache selbst zu verändern um sie dem Zweck der Wissensbewahrung anzupassen. Dies ist unter anderem in Indien und in Afrika geschehen. Es gibt einige wenige Fragmente über die Wächterkultur in verschiedenen Religionen wie die der Yeziden, dann den altindischen Texten, dem Shahnameh, den heiligen Schriften der Parsen und einigen apokryphen Texten der Bibel. Die assyrischen und sumerischen Keilschrifttafeln sind ebenso zu nennen wie sehr viele der alten indischen Texte, die heute noch erhalten sind. Auf den alten noch erhaltenen Seekarten, den Portolankarten, kannst du bis heute viele geographische Details finden, wie es sie vor dem Ende der letzten Eiszeit gegeben hat. Und in verschiedenen eurer Museen wirst du eine Menge Hinweise finden, die auf diese alte Kultur hinweisen. Wie in den Jahrtausenden zuvor halten wir uns selbst aus den Brennpunkten der Aufmerksamkeit fern. Wir ziehen es vor unsere gewundenen Pfade im Abseits zu verfolgen. Bis heute erscheinen wir Menschen, die es nicht verlernt haben, wahrzunehmen."

     Um dich herum beginnt sich der Palast langsam wieder in eine wilde Geometrie aufzulösen. Shemyaza selbst bleibt die ganze Zeit unverändert. "Wir nähern uns dem Ende der Erzählung über unsere Geschichte. Ich habe natürlich vieles fortgelassen, weil es nicht in diesen Teil der Erzählung passen würde. Darüber werde ich dir dann eher frei erzählen. Lasst uns nun zurückkehren!" - Du bemerkst wie Shemyaza dich mitzieht und in den Himmel aufsteigt. Es ist Nacht und der Mond scheint. Ein unglaublicher Anblick! Du tanzt mit ihm durch die Wolken und spürst die Freude des Seins. Dann lächelt er und zeigt auf den Sternenhimmel: "Hier sind Millionen Welten, die uns ihr Licht schenken. Sie alle bergen in sich das gesamte Kontinuum - sieh her!" - Mit diesen Worten greift er in den Sternenhimmel und nimmt einen Stern davon in seine Krallen. Er leuchtet hell und weiss. Dann wirft er ihn wieder hinauf und ein wirbelndes Tor entsteht dort, wo der Stern zum Halten kommt. Darin siehst du majestätische Galaxien im endlosen Kosmos, wie sie sich um ihr schwarzes Zentrum drehen. Mit einer Art Sprung greift Shemyaza in das Tor und ihr verschwindet mit einem Lichtblitz im Kontinuum. Kurz darauf schlägst du deine Augen auf. Ihr befindet euch wieder im Kristallraum. Shemyaza hält deine Hand und gerade noch kannst du erkennen, wie ein kleiner leuchtender Punkt auf deiner Handfläche verschwindet. "Nun hast du einiges über uns selbst erfahren. Es ist nun Zeit, ein paar Bereiche etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Als nächstes werde ich dir einige Dinge über euren Geist erklären, die dir vielleicht fremd sind. Doch zuerst genehmigen wir uns etwas Entspannung."



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