Auf den Schwingen des Simurgh
Abstrakt


Wege und Irrwege

      Nach einem reichhaltigen Nachtmahl führt dich Shemyaza in einen kreisrunden Raum, der von einem großen geschliffenen Kristall in der Mitte beherrscht ist. "Dies ist der bnbn-Stein, wie er gegen Ende der Eiszeit verwendet wurde, um untereinander über große Distanz zu kommunizieren und um zu manifestieren." - In dir beginnt sich ein eigenartiges Gefühl auszubreiten, wie als ob etwas sanft durch deinen Körper hindurch strahlt und ihn reinigt. "Er diente dazu, viele Dinge zu vollenden. Seine Kraft heilt und kann vernichten. Diese Steine - es gab einige davon - wurde aus den tiefen der Erde geholt und auf spezielle Weise geschliffen. Ich könnte dir nun viel über Kristalle und ihre Fähigkeit, Information zu speichern und auszustrahlen, berichten. Doch sind wir immer noch im Bereich der Geschichte.

      Als wir die Erde erstmals besuchten gab es zwar Leben, aber sehr primitiv. Als Entwicklungshelfer ist die Entwicklung des Bewusstseins einer jungen Welt eine sehr hohe Anforderung. Es zu beeinflussen wäre ein Eingriff, der nicht wieder gut zu machen wäre. Auch haben wir die Möglichkeit der Kommunikation mit unserem energetischen Band offengelassen. Psychonauten sind manchmal in der Lage, mit diesen Schichten des Lebens in Kontakt zu treten, wir sorgten in der Erbsubstanz für einige Schlüssel, die eine derartige Kommunikation ermöglichen, wenn die chemischen und biologischen Rahmenbedingungen gegeben sind. Durch diese Form der Kommunikation wurde bereits sehr viel an Wissen an die Menschheit weitergegeben, jedoch geht vieles davon verloren: Die Feinde jeglicher Entwicklung jedoch sind immer wieder darauf bedacht, diese Möglichkeiten zu negieren und die Menschheit zu verdummen. Es ist ein weiteres Zeichen eines unlösbaren Interessenskonfliktes, der sich in allen Variationen in der Geschichte der Menschen deutlich ablesen läßt.

      Nach dem Einschlag der beiden Kometenfragmente war nicht alles vernichtet, nicht alles zerstört, was aufgebaut wurde. Es überlebten viele Menschen der alten Zivilisation und du kannst auf der ganzen Welt Spuren ihres Überlebenskampfes finden. Eine Gruppe aus Nordafrika konnte sich einigermaßen geordnet in Sicherheit bringen und bewahrte das alte Wissen. Diese Gruppe wird nun unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, auch weil im vorderasiatischen Raum die Wiege der westlichen Zivilisation vermutet wird. Sie zog sich nach dem Einschlag nach Kappadokien zurück, und nach Kleinasien. Es wird von den heutigen Wissenschaftlern gerne unterschätzt, wie alt diese Städte wirklich sind. Sie wurden kurz nach dem Einschlag von den Exilanten gegründet, also vor ungefähr elfeinhalbtausend Jahren deiner Zeitrechnung. Es dauerte einige Jahrhunderte bis sich die Natur wieder beruhigte und diese Kultur sich wieder aus dem Untergrund hervorwagen konnte. An einem See im kurdischen Hochland am See Van wurde dann eine Siedlung gegründet, die bis heute ihr Echo in den Mythen der Weltreligionen hat. Sie wird in den Mythen Eden, Kharsag oder Dilman genannt. Es war eine Zeit des Wiederaufbaus und der Kontaktsuche mit den anderen Überlebenden Resten der alten Kultur. Die wurden auch weltweit gefunden und bald begann die Zeit der Annanage, wie sie in den sumerisch-akkadischen Mythen genannt wurden. In dieser Epoche begann ein reger Austausch mit den anderen Kulturen - aber auch der Meinungsverschiedenheiten, die sich manchmal in Konflikten entluden. In jenen Zeiten wurden viele der heute erhaltenen Steinkreise errichtet, und auch die immer mehr erkennbaren Entsprechungen des Sternenhimmels auf der Erde. "Wie oben so auch unten" - der Ausspruch Thoths meint unter anderem genau diese Erscheinung. Die Kultur der Wächter, wie ich sie nun nennen will, etablierte sich langsam. Allerdings hielt sie Abstand von den meisten anderen Kulturen, die sich nach dem Ende der Eiszeit entwickelt hatten. Außer in China und in einigen heutigen Wüsten wie der Namib oder der Sahara, wo sich über lange Zeiträume die Zivilisation wieder aufgebaut wurde und auch die Schäden des Einschlages geringer waren. Es waren zwar viele Dinge verloren gegangen, aber dennoch ließen sich einige Errungenschaften erhalten. In dieser Zeit wurde auch der Kontakt mit einer anderen intelligenten Lebensform auf der Erde wieder aufgebaut. Aus Rücksicht der Interessen dieser Lebensform verschweige ich allerdings weitere Details."

      Shemyaza gibt dir einen kleineren Kristall an einer schweren Kette aus Platin. "Wir werden jetzt gleich diesen kleinen bnbn hier verwenden, um zu meinem Himmelspalast zu gelangen. Leg ihn dir bitte um" - dir wird etwas mulmig bei dieser Vorstellung. Während du die schwere Kette mit dem Kristall um deinen Hals hängst äußerst du deine Bedenken "Mir kann nichts dabei zustoßen? Sie sind doch menschenfeindlich, wie du gesagt hast?" - "Deine Angst ist durchaus berechtigt, aber durch diesen Kristall und unserem Reiseweg wird dir nichts geschehen. Dein Körper wird hier bleiben und nur deine Seele wird auf Reisen gehen. Die klassische schamanische Reise!" er lacht und fährt mit seiner Erzählung fort: "Es gibt keinen anderen Weg, dir dieses Phänomen näherzubringen. Doch wir sind noch nicht mit dem geschichtlichen Teil meiner Erzählung fertig.

      Die Wächterkultur selbst spaltete sich im Laufe der Zeit in verschiedene Lager auf. So blieb ein Zweig im Hochland, während andere aktiver Einfluß nahmen und unter verschiedenen Namen in der Mythologie auftauchen: Den Daevas oder Ahuras, den Edimmu der assyrischen Mythologie, den (Gefallenen) Engeln der hebräischen Überlieferung und natürlich die Drachen Chinas, wo wir in der Gestalt gesehen werden, in der wir hier existieren, wenn wir nicht verkörpert sind. Eine Zeit der Missverständnisse und des Hasses begann, denn es war machtgierigen Menschen ein Dorn im Auge, was die verschiedenen Gruppen beherrschten und dem einfachen Menschen beibrachten. Zu dieser Zeit verloren die Menschen langsam die Kontinuität des Bewusstseins. Das war einerseits bedauerlich, aber auch ein notwendiger Schritt der Entwicklung. Du kannst in den alten Schriften finden, wie beispielsweise manche biblische Patriarchen hunderte von Jahre alt wurden. Ein solches Bewusstsein existierte viele Jahrhunderte kontinuierlich über viele Generationen hinweg. Jedoch verloren sie den roten Faden ihrer Erinnerungen und so entwickelten wir die Schrift, um das Wissen zu bewahren. Die Schrift wurde dem Menschen damals vermittelt und viele Kenntnisse, die dir heute selbstverständlich erscheinen wie Kosmetik, medizinische und mathematische Kenntnisse und vieles mehr wurden damals niedergelegt. Allerdings wirst du in den alten Schriften noch die Unmittelbarkeit des Wissens erahnen können. So wurde in Indien die Zahl Pi auf 35 Stellen genau in einem Gedicht niedergelegt. Schönheit und Mathematik in einer später nie wieder erreichten Harmonie. Außer in China und Asien allgemein wurden diese Entwicklungen mit gemischten Gefühlen aufgenommen, und teilweise verdammt. Menschliche Stämme, die in Vorderasien diese Entwicklungen dankbar annahmen machten sich bald viele Feinde und wurden brutalst verfolgt und ausradiert. Wir hatten während der einige tausend Jahre währenden Renaissance der alten Kultur immer wieder damit zu tun, dass weniger weit entwickelte Stämme und Gruppen unsere Bemühungen falsch verstanden oder sogar verteufelten. Ein Beispiel findest du in der alten hebräischen Überlieferung, deren Einfluß bis in die heutige Zeit erhalten geblieben ist. Im Buch "Henoch" findest du das Zeugnis eines Menschen, der mit der Wächterkultur in Kontakt kam. Die persische Mythologie hat auch einen Titel überliefert, der damals den Reisenden Wächtern gegeben wurde: Simurgh."

      "Moment mal! Du willst sagen, das dieser mythische Vogel in Persien eine Titelbezeichnung ist?" - "Natürlich, was denn sonst? Wenn du einen Blick in die Überlieferung des Shahnameh wirfst, dann wirst du schnell feststellen, das Simurgh sehr vielseitig ist und sogar einmal das Geschlecht wechselt - ein weiblicher Simurgh. Es war nie nur ein einziger Simurgh, sondern es waren verschiedene Individuen, unter anderem ich selbst. Erst der Zahn der Zeit machte dann aus uns eine mythische Vogelgestalt Simurgh. Vielleicht erzähle ich dir dazu ein andernmal eine Geschichte. Wir kommen nun zum langsamen Untergang des Wissens.

      Es kam zu einer zweiten Flutkatastrophe in Mesopotamien. Noahs Flut, wie sie von den Yeziden genannt wird. Sie verwüstete einige Orte an den Küsten und die Erinnerung an diese Flut vermischte sich bald mit denen, die am Ende der Eiszeit stattfanden. Du findest Spuren des Einflusses der Wächterkultur in Catal Hüyük, in den Shanidarhöhlen, in der Jarmo-Gesellschaft, natürlich in Ägypten und China. In Europa blieb nicht viel erhalten, dazu waren die Gruppen zu unterschiedlich. Allerdings findest du dort viele Steinkreise aus dieser Zeit. Später, nach der zweiten Sintflut entwickelten sich die ersten großen Städte in Mesopotamien, als sich die Wächter entschlossen, intensivere Entwicklungshilfe zu leisten. Langsam jedoch endete die hohe Zeit der Wächterkultur und spätestens im zweiten Jahrtausend vor Christus endete ihr Einfluss in Vorderasien. In China jedoch erhielt sich die Kultur über längere Zeit. Sie verschmolz mit den dortigen Kulturen und verschwand erst später, als die wenigen technischen Artefakte schließlich ihre Dienste versagten. Noch im letzten Jahrhundert vor Christus funktionierten einige Weltraumsatelliten und sogar die Alluminiumverhüttung blieb bis ins vierte Jahrhundert vor Christus den Eingeweihten bekannt. Die Anwendung von Schallwellen als Medium der Kraftübertragung blieb bis ins 20. Jahrhundert in Tibet erhalten, leider ging diese Technik beim Einmarsch der roten Armee verloren. In Südamerika gab es ebenso Überreste, die sich bis in die historische Zeit erhalten haben und erst durch ökologische Katastrophen sich selbst auslöschte. Die Erinnerungen in Vorderasien wurden von den Magi und den Yeziden weitergetragen. Die Magi wurden jedoch grausamst von den später aufkommenden Anhängern Zoroasters verfolgt und ausgelöscht. Die Zaddikim bewahrten viele tiefe Kenntnisse der Wächterkultur, sie gingen in der Splittergruppe der Essener auf, aus der auch Jehoschuah Ben Joseph seine Kraft zog. In Asien und Europa blieb vieles in den alchemistischen Überlieferungen erhalten. So wurde die genaue Kenntniss der Fertigung des Steins der Weisen bis in die Moderne erhalten und praktiziert. Über seine Funktion und Eigenschaften könnte ich dir wieder sehr vieles berichten, doch ich denke, dass alles seine Zeit hat.

      Während all dieser Entwicklungen und Verwirrungen blieben unsere eigenen Belange im Verborgenen. Du wirst dich sicherlich auch Fragen, warum diese Kultur eigentlich "Wächterkultur" genannt wird. Sie bewahrten und bewachten das Wissen über uns und was sie aus der alten Kultur retten konnten. Die einzelnen Vertreter dieser Kultur bewahrten die Kontinuität des Bewusstseins, das um sie herum langsam verloren ging. Diese Wächterfunktion beinhaltete auch, dass dieses Wissen unverfälscht weitergegeben wurde, in der Gestalt von Mythen und Legenden vieler Völker, die zum Teil buchstäblich überliefert werden müssen, um den Informationsgehalt zu erhalten. So gibt es den Veda in Indien, die Thora der Hebräer, die ursprünglichen Texte des Taoismus in China die noch erhalten sind. In Südamerika wurden durch die Dummheit der ersten Kolonisten die Überlieferungen vernichtet - sie wurden auf Goldplatten eingraviert. Wir verschwanden langsam aus dem Bewusstsein der Menschen, die sich immer mehr auf ihren eigenen Nabel konzentrierten. Leider verloren auch immer mehr Menschen die unmittelbare Rückbindung und die Gabe uns wahrzunehmen. So war es um Christi Geburt herum nur noch den Schamanen und Eingeweihten möglich uns überhaupt wahrzunehmen, wenn wir über den Himmel zogen. Die Hintergründe unserer Himmelspaläste ging verloren. Aus den Wächtern wurden in der Bibel die Engel. Ein interessantes Detail am Rande: In der Bibel werden die Seraphim immer wieder erwähnt. Wusstest du, das "Seraph" sowohl Engel als auch Drache bedeutet? Wir sind die meiste Zeit als Drachen sichtbar oder wahrnehmbar und nur selten inkarnieren wir in einem physischen Körper, wie ich dir eben einen vorgaukle. Immerhin ist dies hier eine Erzählung. In Wirklichkeit bin ich nur wenige Male in einem menschlichen Körper in Erscheinung getreten.

      Wir beeinflussen kaum direkt die Ereignisse und die Entwicklung der Menschheit. Die meiste Zeit sind wir sehr zurückgezogen und ziehen es vor, die Dinge aus der Ferne zu beobachten. Das hat den Grund darin, dass es der Mensch selbst sein muss, der sich von selbst seiner inneren Größe bewusst werden muss. Es gab allerdings bis ins 18. Jahrhundert eine Ausnahme: das war der chinesische Kaiser, dem wir, wenn er uns rief, immer wieder zur Seite standen. China nahm eine Sonderstellung ein, da dort vieles erhalten geblieben ist, das anderswo untergegangen war. China war bis zum Ende der Kaiserzeit eine der letzten Überreste einer einst glanzvollen Ära, und wenn die Führung damals nicht den Boden unter den Füßen verloren hätte, wäre es das heute noch.

      Während er erzählt, berührt Shemyaza den großen Kristall mit einer Hand. "Komm bitte her, wir müssen uns berühren. Leg dich da hin!" - er zeigt auf einen Platz neben den Kristall. Er selbst setzt sich neben dich, als du es dir auf dem Boden bequem machst. Der Steinboden ist wider erwarten warm und angenehm. Shemyazas Hand berührt deine Stirn und du hörst ihn leise murmeln. Deine Augenlider werden schwerer und du dämmerst langsam ein. Doch du schläfst nicht ein! Plötzlich findest du dich im selben Raum wieder, deinen Körper und den Shemyazas vor dir sehend. Um Shemyaza herum nimmst du eine mehrere Meter durchmessende hell leuchtende Sphäre wahr, in dessen Mitte ein ca. 30 Meter großer golden leuchtender Drachenkörper sich um die menschliche Erscheinung windet. Der Körper des Drachens ist von einer eigenartigen grieseligen Energie umgeben, die sich ständig in Bewegung befindet. Die Farben sind seltsam anders und der ganze Raum ist von Shemyazas Sphäre überlagert. Du siehst, wie sich der Drache vom physischen Leib ablöst und siehst, wie sich der Kopf des Drachens in deine Richtung wendet. In deinen Gedanken entstehen Worte: Du siehst nun eine zusammengefaltete Form von mir. Die, die der menschlichen am Nächsten kommt. Nun werden wir den Kristall verwenden. Ich werde dich dafür an mich binden, denn sonst gehst du verloren. Du spürst eine Art energetischen Faden, der sich mit dir verbindet. Shemyaza beginnt nun einfach in den Kristall hineinzugehen. Dabei zieht er dich einfach mit. In dem Kristall ist es gleissend hell und doch wirst du nicht geblendet. Dann zerfällt die dir bekannten Formen in viele Farben, Klänge und abstrakte Strukturen. Alles ist in Bewegung und einen kurzen Augenblick kannst du die unbeschreibliche Schönheit des Kontinuums wahrnehmen. Dann zerfasert diese Wahrnehmung und um dich herum beginnt sich eine andere Umgebung zu formen. Du bist erstaunt, was du zu sehen bekommst.



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