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Schamanismus - Eine Einführung

    In den letzten Jahren erfreut sich das Phänomen Schamanismus innerhalb der esoterischen Szene wachsender Beliebtheit. Mehr und mehr Menschen kommen im Rahmen von Seminaren, alleine oder in kleinen Gruppen lernend und experimentierend, mit ihren Geistern oder "Spirits", wie sie auch gerne genannt werden, in Kontakt und entdecken die Geisterwelt für sich. Sie werden selbst einige Bücher davon kennen oder das eine oder andere Seminar besucht haben, denn es ist schwierig, sich dieser Faszination zu entziehen. Paul Uccusic hat in seinem Werk eine Anzahl verschiedener Definitionen des Begriffes Schamanismus in seinem Buch "Der Schamane in uns" zusammengetragen. Ein paar davon führe ich hier auf.

Bellinger (Knaurs großer Religionsführer, 1986): "Shaman (tungus.), sha-men (chines.), von samarambi (mandschurisch, tobendes Umherschlagen)."

Lörler (1986): "Übersetzt in unsere Sprache heißt Schamane . Das Wort kommt aus dem ostsibirischen Raum ..."

Panoff/Perrin (1982): "Von tungusisch (Altai-Sprache) saman, ."

Eliade (1952): "Der Schamanismus strictu sensu ist ein par excellence sibirisches und zentralasiatisches Phänomen. Das Wort stammt über das Russische vom tungusischen shaman. In den übrigen zentral- und nordasiatischen Sprachen entsprechen diesem Terminus jakutisch ojun, mongolisch buga, boga (buge, bu) und udagan (vgl. dazu burjätisch udayan, jakutisch udoyan, Schamanin), turktatarisch kam, gam, mongolisch kami usw. Man hat den tungusischen Terminus aus Pali samana zu erklären versucht ..."

    Harner schreibt, ein Schamane sei ein "Mann oder eine Frau, der oder die - willentlich - in einen anderen Bewußtseinszustand eintritt, um mit einer normalerweise verborgenen Wirklichkeit in Berührung zu kommen und sie auszuwerten, um Wissen, Kraft und Hilfe für andere zu erhalten" (Michael Harner: "Der Weg des Schamanen", Hamburg, 1986 - Seite 45). Diese Definition kommt vollkommen ohne religiöses Fundament aus. Der Ansatz des Schamanismus in Uccusics Definition ist empirisch, während Religion eher dogmatisch orientiert ist. Dieser Unterschied ist wichtig, da die etablierten Glaubenssysteme viel an Popularität verloren haben. Sie können nicht mehr auf die Probleme der Anhänger antworten und haben an Mystik verloren. Anstelle der unmittelbaren Gotteserfahrung treten starre Dogmen und veraltete Moralvorstellungen. Immer mehr Menschen suchen deshalb nach anderen Wegen, um ihren Durst nach Mystik und nach Antworten zu stillen. Wenn ich hier also Schamane oder Schamanismus als Begriffe benutze, so beziehe ich mich auf diese kurze Definition und an zweiter Stelle auf die ethnologische Definition des Phänomens.

Höhlenmalerei in Lasceaux     Viele glauben, im Schamanismus einen gangbaren Weg zu finden. Warum das oft nicht so einfach ist, erkennen die meisten erst hinterher. Schamanismus konfrontiert den Praktizierenden äußerst stark mit sich selbst und gibt keine Patentrezepte zur Lösung von Problemen, wie es in den monotheistischen Glaubensrichtungen üblich ist, denn jeder Mensch ist einzigartig. Erfolgreiches Schamanisieren beinhaltet einen persönlichen Reifeprozeß, genauso wie das erfolgreiche Leben dieses Vorganges. Die Geister sprechen immer mit dem Praktizierenden, jedoch tendieren viele dazu, die unbequemen Ratschläge und Bilder zu ignorieren und dem schamanischen Weg nicht mehr zu folgen. Unsicherheit wird mit dogmatischen Forderungen kompensiert, die über richtiges und falsches Verhalten entscheiden. Immer mehr wird der Schamanismus dann zur indoktrinierenden Religion, die sich der Praktizierende zusammenbastelt, um seinen negativen Seiten zu entfliehen.

    Schamanismus ist in Europa vor einigen Jahrhunderten von der kirchlichen Inquisition ausgerottet worden. In unserem Volksglauben finden sich jedoch noch einige schamanische Elemente. Als Phänomen ist Schamanismus bereits sehr alt. Höhlenzeichnungen maskierter Tänzer weisen auf prähistorische Wurzeln zurück. Felicitas Goodman fand heraus, daß viele der steinzeitlichen Zeichnungen und Skulpturen, die Menschen in bestimmten Positionen zeigen, tatsächlich eingenommen, bewußtseinsverändernde Wirkungen zeitigen. Die in Lasceaux gefundene Zeichnung eines Menschen mit Vogelkopf ist einerseits ein Zeugnis schamanischer Wurzeln in der Steinzeit und andererseits eine genaue Anweisung für eine bestimmte Position, angedeutet durch den Vogelstab als Senkrechte und dem Schamanen, der in einem Winkel von 37 zur Horizontalen liegt. Die Malereien von Lasceaux sind etwa 14000 Jahre alt. Aus dem dritten Jahrtausend vor Christus ist uns eine Abbildung des Osiris überliefert, die genau dieselbe Haltung einnimmt. Der Vogelstab selbst wird von mir an gesonderter Stelle noch einmal besonders behandelt, da er eine sehr wichtige astronomische Beobachtung beschreibt.Photographiert von I.I. kosminskil 1929

    In einigen Kulturen beinhaltet das Schamanentum eine langwierige Ausbildung. Solche Ausbildungen und die anschließende formelle Initiation sind wichtiger Bestandteil, um als Schamane in der Gemeinschaft anerkannt zu werden. Bereits als Kind steht beim Kandidaten oft schon die schamanische Laufbahn fest. Hier bei uns in Deutschland beobachte ich zwei Tendenzen: In der ersten glauben manche, sie wären schon Schamane, wenn sie nur reisen können und ihr Krafttier kennen, andere Schlauköpfe wiederum versuchen das Schamanentum in Dutzenden von Seminaren zu erlernen. Zum Schamanentum gehört allerdings mehr als nur angeeignetes Wissen. Die Berufung durch die Geister ist das wichtigste Element, aber auch der sichere Umgang und die Kenntnisse, die für schamanische Sitzungen erforderlich sind - Kenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis, die du in keinem Seminar lernen kannst, sondern nur im praktischen Umgang mit dem Klienten, und einer unstillbaren Neugier, die dich immer weiter treibt im Streben nach Erkenntnis und Weisheit.

    Nicht jeder, der schamanisch arbeitet, ist Schamane. Diese Behauptung wird bei vielen Möchtegernschamanen lautstarken Protest hervorrufen, die von sich eben genau dies behaupten. Ich widerspreche damit auch der Ansicht der FSS, die es als allgemeine Tatsache hinstellt, daß buchstäblich jeder das Zeug dazu hat. Es ist ähnlich wie bei der Beherrschung eines Musikinstrumentes. Es kann hundert Menschen geben, die schamanische Techniken beherrschen. Nur einer von ihnen hat jedoch ebenso ein besonderes Talent, diese Berufung über viele Jahre auszuüben. Man könnte auch sagen, daß die Geister denjenigen besonders bevorzugen. Oft treffen Talent und Wille zur Ausübung nicht zusammen. Entweder praktiziert ein besonders talentierter Mensch keinerlei schamanische Technik, oder Unbegabte versuchen sich am Schamanentum. Die Chance, daß gerade talentierte Menschen zum Schamanismus finden, war bis zum Ende der 80er Jahre eher gering und erhöhte sich erst, als Institute wie die Foundation for Shamanic Studies oder Einzelschamanen aus indigenen Kulturen in Europa den Schamanismus in der esoterischen Szene bekannt machten und verbreiteten. Ob jemand Schamane ist oder nicht, liegt vor allem an den Verbündeten der Geisterwelt. Wenn jemand durch seine Verbündeten in die Lage versetzt wird, tatsächlich zu helfen, ist er oder sie für die Geister ein Schamane. Das heißt aber noch lange nicht, daß dieser Schamane auch von unserer Gesellschaft als solcher anerkannt wird. Diese Anerkennung ist bei uns im Gegensatz zu den traditionellen schamanisch orientierten Kulturen sehr viel schwieriger, weil es bei uns keinerlei Traditionen und Regeln gibt, die in diesem Punkt Handlungssicherheit und Urteilshilfen in die Hand der Nichtschamanen legen.

    Zum Schamanismus talentierte Menschen werden auch in Kulturen geboren, in denen der Schamanismus als solcher schon lange "tot" ist. So auch in Zentraleuropa. Die Begabung ist meist familiär überliefert und springt auf den vielversprechendsten Nachkommen über, wenn der bisherige Träger dieser Gabe verstirbt. Es treten auch Schamanen in Familien auf, in denen vorher keinerlei Tendenzen in dieser Richtung beobachtbar waren. Menschen, die das Talent in großem Umfang besitzen, sind oft eher exzentrische Einzelgänger. Solange sie nicht schamanisch arbeiten, kann der Eindruck entstehen, sie seien geisteskrank. Der Ruf der Geister erfolgt dann in der schamanischen Initiationskrise. Der werdende Schamane wird schwer krank und ringt mit dem Leben.

    Ich lernte, daß man durchaus die Verbündeten darum bitten kann, initiiert zu werden. Es kann jedoch nicht erzwungen werden. Nur sollte Ihnen bei solchen Wünschen klar sein, daß die Geister immer sehr intensiv und heftig initiieren - wenn sie Ihrem Wunsch positive Aufmerksamkeit entgegenbringen. Achten Sie also auf Ihre Wünsche, denn sie könnten in Erfüllung gehen.

    Im sibirischen und arktischen Kulturkreis kann diese Krise komatös und katatonisch sein und längere Zeit andauern. Die Seele verläßt den Körper und wird von der Geisterwelt geprüft. Zerstückelungserlebnisse geben dem Schamanen Hinweise auf seine künftigen Spezialgebiete. Kehrt der Schamane dann aus der Geisterwelt zurück, hat er den Tod überwunden und ist ein Zweimalgeborener. Auch schwere Krankheiten oder ein beinahe tödlicher Unfall können Hinweise auf die schamanische Berufung sein. Andere Zeichen, die auf eine mögliche schamanische Begabung hinweisen können, aber nicht müssen: Homosexualität, Transvestitentum, ungewöhnlicher Körperbau, allgemein schlechte Körperabwehr und noch unzählige andere Dinge, die einen Menschen "anders" als die anderen macht. Es ist dabei interessant, die familiäre Disposition zu beachten. Interessanterweise gibt es aber auch in Kulturen mit schamanischen Traditionen geistige Krankheit. Während ein Schamane die Bewußtseinszustände willentlich und unter Kontrolle wechseln kann, ist dies dem Geisteskranken nicht möglich. Er wechselt unkontrolliert und kann mit den Sinneseindrücken nichts anfangen.

    Schamanisch Begabte tauchen in manchen Familien häufig auf, und in anderen gar nicht. Die Berufungskrise kann eine Generation überspringen oder einige Jahrzehnte ganz ausbleiben, um dann plötzlich wieder einen Nachkommen der Familie zu ereilen. Oft wird davon ausgegangen, die Initiationskrise sei eine absolute Voraussetzung, um Schamane zu werden. In vielen Kulturkreisen ist dies auch richtig. Doch allein wenn man Harners Beschreibungen liest, kommen Zweifel über die vermeintliche Allgemeingültigkeit dieser Annahme auf. Er verkauft sein Gewehr, um eine schamanische Einweihung zu bekommen. In unserem Kulturkreis sind schwere Initiationskrisen eher selten. Das mit der Berufung wird also nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

    Es gibt im sibirischen Kulturraum verschiedene Arten von Schamanen. In unsere moderne Gesellschaft lassen sich diese Unterteilungen nicht immer übernehmen. Die Unterteilung zwischen dem schwarzen und dem weißen Schamanen, von der man gelegentlich liest, bezieht sich auf die Regionen in der Geisterwelt, die bereist werden: Der schwarze Schamane bereist überwiegend die Untere Wirklichkeit, der weiße Schamane die Obere Wirklichkeit. Schwarze Schamanen sind eher Einzelgänger und arbeiten auch mit Besessenheitszuständen, weiße Schamanen sind eher gruppenorientiert und leiten große Rituale. Die Bezeichnungen sind also nicht moralisch unterlegt. Die leider vor ein paar Jahren verstorbene burjatische Schamanin Sarangarel Udigan packte mich, nachdem wir uns kennenlernten, zu den schwarzen Schamanen - weil ich Besessenheitstrance anwende, überwiegend alleine arbeite und meistens in die schamanische Unterwelt reise.

    Anerkennung des Stammes oder der Gemeinschaft, in der der Schamane lebt, ist grundlegend für die Ausübung des Schamanenberufs. Diese Anerkennung besteht nur zum Teil aus der tatsächlichen Befähigung durch Vererbung, Geister und der Initiationskrise. Ein anderer, wesentlicher Teil besteht aus der mehr oder weniger formellen Anerkennung durch lebende Schamanen. Dies geschieht durch Unterweisungen der werdenden Schamanen durch Lehrer, die selbst Schamanen sind. Solche Lehren können sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und bis zu 20 Jahre dauern. Inhaltlich lernt der werdende Schamane die stammesüblichen Überlieferungen, Gesänge, Heilkräuter und viele weitere Details des realen Lebens aus der Sicht der Schamanen kennen. Instruktionen über den Umgang mit Trance und den Geistern gehören ebenso dazu. Michael Oppitz Film "Schamanen im blinden Land" zeigt deutlich den Wissensschatz eines Schamanen auf, den er beherrschen und wiedergeben muß, bevor er vollwertiger Schamane ist. Eine formelle Einweihungszeremonie auf dem Schamanenbaum schließt häufig die Lehrzeit ab. Hier in Europa beginnt sich langsam, wenn auch mit vielen Aussetzern kommerzieller Natur, eine Anerkennung durch die Bevölkerung auszubreiten. Zwar sind auch vollkommen unfähige Leute als "Schamane" bekannt geworden, aber die Spreu trennt sich in diesen Fällen bald vom Weizen. Hoffe ich.

    Der Stammes-Schamane hat viele Aufgaben zu meistern. Er ist Heiler, Richter, Mythenbewahrer, Wetterzauberer, Spezialist und Anlaufstelle für übernatürliche Phänomene und Wunder. Ein Versagen wurde nicht selten mit dem Tod des Schamanen geahndet. Diese Aufgaben wurden immer spezialisierter und später unter mehreren Personen aufgeteilt. In diesem Zusammenhang muß ich zwei Vorurteile erwähnen, die mir in der esoterischen Szene immer wieder begegnen, und die wohl von diverser Literatur immer wieder angeheizt werden. Zum einen: Schamanen sind keine erleuchteten Meister. Dieser Gedanke, Schamanen seien irgendwelche hochentwickelten Meister und irgendwie erleuchtet, ist indischen oder buddhistischen Ursprungs und religiös (theosophisch und anthroposophisch) verfärbt. Schamanentum existierte schon tausende von Jahren, ehe es die ersten kodifizierten Dogmen hinsichtlich der Erleuchtung gab. Tatsächlich bekämpften Vertreter des buddhistischen Glaubens in vergangenen Zeiten den Schamanismus, als dieser Glauben in Tibet und nördlich davon Fuß zu fassen begann. Stichwort: Bonpos in Tibet und manche sibirischen Stämme, unter anderem in der Mongolei. Und zum anderen: Schamanen sind nicht ausschließlich nur Heiler. Ich kann nur mutmaßen, woher die Ansicht kommen könnte, Schamanen seien nur eine andere Form von Heilern oder Geistheilern. Die Heilung ist zwar ein wichtiger Bestandteil der Aufgaben eines Schamanen, aber sie ist eben nicht der einzige. Photographiert von J.J. Makarenko, 1913

    Die schamanische Wirklichkeit wird in fast allen Kulturen in Ober-, Mittel- und Unterwelt unterteilt. Seit einigen Jahren haben sich die terminologischen Differenzierungen der FSS durchgesetzt. So wird die andere Wirklichkeit mit NAW bezeichnet: "Nichtalltägliche Wirklichkeit" im Gegesatz zur AW, der "alltäglichen Wirklichkeit", also der physischen Wirklichkeit der Materie (Harner und die FSS folgen dabei Castanedas Definition). Die schamanische obere Wirklichkeit wird mit OW, die mittlere Wirklichkeit mit MW und die untere Wirklichkeit mit UW abgekürzt. Ich selber habe nach der Lektüre von Lukjanenkos Wächterzyklus den Begriff "Zwielicht" entlehnt, der noch unverbraucht und auch nicht vorbelastet ist, wie beispielsweise Geisterwelt. Über Diese Dreiteilung des Zwielichts ist sogar im Christentum überliefert, dort jedoch mit einem moralischen Unterton. In vielen Kulturen werden diese Welten durch einen Baum als vertikale Achse miteinander verbunden. Im keltogermanischen wurde dieser Baum Yggdrasil ("Schreckliches Pferd") genannt und mit einer Esche oder Eibe identifiziert. Das Erklettern des Lebensbaumes wird oft als Mut- und Kraftprobe gesehen. In einigen Gegenden Zentraleuropas wird dieser Brauch noch heute gepflegt. Dabei kommt erschwerend hinzu, daß der Maibaum (um den dreht es sich hier) noch mit Fett eingerieben wird. In schamanischen Kulturen erklettert der Schamane den Baum meistens, um die OW zu erreichen. In Nepal geschieht dies im Rahmen einer formellen Initiationszeremonie.

    Auch wenn nur ein kleiner Bruchteil tatsächlich schamanisches Talent hat und über Jahre weiter schamanisiert, wächst dadurch die Akzeptanz und die Anerkennung in der Bevölkerung an. Es besteht allerdings die Gefahr, daß Schamanismus in seiner Bandbreite immer mehr verflacht und einer Art "Blümchenschamanismus" Platz macht, der leicht verdaulich ist. Jeder, der sich eingehender mit rezenten schamanischen Kulturen beschäftigt, wird erkennen, daß ein Schamane genauso gut handfeste Hexerei betreiben muß. Neben den erwähnten Wetter- und Jagdzaubern gehören zum Repertoire eines Schamanen meistens auch noch das Zurückwerfen böser Zauber und der Kampf mit bösen Geistern.

    Ina Rösings "Mundo Ankari" gibt anschauliche und verwertbare Informationen zum Thema "Schwarze Heilung". Die dunkelsten Seiten des Menschen können auf diese Weise angegangen, kompensiert und verarbeitet werden. Es ist eine Form der Heilung, die unsere westliche Gesellschaft dringend notwendig hat, denn sie ist Weltmeister in der Verdrängung schlechter Eigenschaften. Dieses Werk lege ich auch jedem ans Herz, der sich näher für lebendiges, andines Wissen interessiert. Immer wieder tauchen sogenannte Schamanen aus Lateinamerika in Europa auf und bieten in Seminaren Wissen an. Um sich ein Bild der Zustände in Südamerika zu machen, ist es sehr zu empfehlen, Rösing zu lesen oder gleich nach Südamerika zu reisen. Was hier unter der Bezeichnung "Schamanismus aus Südamerika" gehandelt wird, hat nur noch wenig gemein mit den dort in den Anden lebenden Schamanen. Der Ayahuasca-Tourismus und Boom ist eine weitere bizarre Entwicklung: Alle südamerikanischen Schamanen heißen plötzlich Don Juan und führen für Geld Esotouristen in den Umgang mit Meisterpflanzen ein - nicht, wie Sie vielleicht denken, in vielen Jahren, sondern mal eben während des Urlaubs. Die Vermarktung hat also auch ihren Weg nach Südamerika gefunden. Über die sündhaft teuren Wochenprogramme, in denen Sie dann quer durch die Anden gescheucht werden, nebst schamanischem Flair in Macchu Picchu oder im Valle Sagrada, spreche ich gar nicht erst. Was hier in Europa überwiegend als südamerikanischer Schamanismus verkauft wird, ist vielmehr eine Mischung aus allerlei verschiedenen esoterischen und kulturellen Richtungen oder ist, falls es tatsächliche andine Spiritualität sein sollte, oft genug nur eine weitere Form der Ausbeutung, die ich bereits kritisiert habe. Bisher sind mir nur wenige Seminarsleitungen begegnet, die mir eindeutig nachweisen konnten, daß das eingenommene Geld auch wirklich den Menschen zugute kommt, die in den Anden leben und von derartigen Umtrieben buchstäblich nichts davon wissend am Rande des Existenzminimums leben.

    Oft begegnen mir Menschen, die sich für schamanisch begabt halten, entweder weil sie meine PDF, meine Website oder einen anderen vergleichbaren Text gelesen haben, oder sich einfach so einschätzen. Immer wieder kommen Anfragen wie: "Ich habe ein Wimmerl am Arsch, bin ich jetzt ein großer Schamane?" - Ich kann es nicht beantworten, ob tatsächlich eine irgendwie geartete Begabung vorliegt, nur weil mich jemand danach fragt. In der Regel führe ich eine Reise durch, um die Geister zu befragen. Allerdings auch nur dann, wenn ich ausdrücklich darum gebeten werde - und selbst dann halte ich lieber meinen Mund, da es anscheinend in der Natur des Menschen liegt, sich schnell selbst zu überschätzen und ein inflationäres Ego zu entwickeln. Ich selber besuchte kurz nach dem Tod meines Vaters den Basiskurs bei Paul Uccusic und erlernte das Skelett der schamanischen Arbeit, die Grundlagen. Heute kann ich nicht mehr sagen, warum ich unbedingt diesen Weg einschlagen wollte. Bis heute vertraue ich immer meinen spirituellen Begleitern, mir genau das Richtige zu zeigen. Auf diese Weise kann ich meinen spirituellen Weg ohne große Hindernisse beschreiten. Wenn mich Leute dann Schamane nennen, oder Hexer oder sonstwie, ist das für mich eher unbedeutend. Die Umgebung versucht nur, mich in eine passende Schublade zu packen, findet aber keine, in die ich bequem einzuordnen wäre.


Nachwuchs-Schamane der Nanai am Fluß Tumnin. Aufnahme von I.I. Kosminskij, 1929 - © Anthropologisches Museum St. Petersburg
Großer Schamane der Ewenken, an der Steinigen Tunguska, Aufnahme von J.J. Makarenko, 1913 - © mit freundlicher Genehmigung des Anth. Museum St. Petersburg.
Lasceaux: table 10 aus Eiszeitmalerei von Herbert Kühn, Berlin 1956

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