Home

Danksagungen

Das Kondorforum

Publikationen

Seminare

Links

Simurghs Schwingen

Über Mich

Literaturhinweise

Der Flug des Kondors

Schamanentum

Henochiana

Angelologie

Remote Viewing

Drachenkunde

Der Andenkondor

Der Feuervogel

Runenkunde

Lounge

Allgemeines

Die Praxis

Die Sitzung

Weiteres

Huna

Sibirisches Schamanentum

Mythen

Tuva



Alexandr Lukin. 11. Februar 1925

    Die Schamanen werden weit im Norden an der Wurzel der schrecklichen Krankheiten geboren. Dort steht eine Lärche, auf deren Zweige viele Nester in verschiedener Höhe liegen. Die größten Schamanen werden im Wipfel des großen Baumes aufgezogen, die mittleren auf halber Höhe, die kleinen Schamanen auf den unteren Zweigen.

    Man erzählt, zuerst fliege ein großer Vogel, einem Adler ähnlich, mit eisernen Federn, zu diesem Baum, setze sich auf ihn und lege ein Ei. Dann brüte dieser Vogel das Ei aus. Wenn ein sehr großer Schamane ausschlüpfen soll, brütet er drei Jahre, wenn ein kleiner, ein Jahr.

    Dieser Vogel heißt "Tiermutter" und zeigt sich im ganzen dreimal. Das erste Mal, wenn sie den Schamanen gebiert, das zweite Mal, wenn sein Werdegang durch die Zerlegung seines Körpers beendet wird, zum dritten Mal, wenn der Schamane im Sterben liegt.

    Wenn der Schamane (seine Seele) aus dem Ei kriecht, dann übergibt ihn dieser Vogel zur Erziehung einer Geister-Schamanin mit Namen Bürgästej-Udagan, die ein Bein, eine Hand, ein Auge besitzt. Diese Schamanin bettet den Schamanen in eine eiserne Wiege um, schaukelt ihn und zieht ihn auf mit eingedickten Stücken geronnenen Blutes.

    Wenn die Aufzucht in der Wiege beendet ist, wird der künftige Schamane drei schwarzen dürren Geistern übergeben, die sein Fleisch in Stücke hauen. Den Kopf des Schamanen stecken sie fürs erste auf die Spitze einer Stange. Dann streuen sie das zerhauene Fleisch wie ein Opfer nach allen Seiten aus. Drei andere Geister werfen dabei den Kinnbacken des Schamanen als Orakel für die Ursprünge aller Nöte und Krankheiten. Wenn der Orakelknochen in die normale Lage fällt, dann heißt das, von dieser Krankheit kann der Schamane die Menschen erretten. Manchmal soll es vorkommen, daß das Fleisch des Schamanen nicht für alle Leiden und Krankheiten hinreicht. Dann soll ihm zugestanden sein, aus Anlaß derjenigen Krankheiten, die nicht mit Stückchen seines Fleisches bedacht werden konnten, lediglich einmal zu schamanisieren.

    Wenn bei einem Schamanen bei der Zerlegung seines Körpers ein Mangel unter seinen Knochen zutagetritt, dann müssen je nach der Anzahl der fehlenden Knochen einige seiner Verwandten sterben. Manchmal sterben bis zu neun Menschen.

    Bei uns lebte ein Mann, Bologur Michail. Auch er wurde von den Geistern für den schamanischen Dienst berufen. Er sagte, bei ihm hätten fünf Knochen gefehlt, weshalb fünf Menschen hätten sterben müssen. Aber er weigerte sich, die Berufung anzunehmen, da er nicht eine solche Zahl Menschen opfern wollte.

    Er selbst erblindete darauf. Einst, als er schon blind war, fällte er im Walde eine ausgehöhlte Lärche. Und da fiel irgendwoher in den hohlen Baumstumpf ein Schamanenvogel, eine Vogelgestalt aus Eisen, wie sie an dem Schamanengewand befestigt wird, und rief dreimal "Kuckuck". Michail ergriff den Vogel und bog ihm Beine und Flügel mit dem Rücken der Axt um. Dann warf er ihn in den hohlen Baumstumpf. "Deshalb", sagte er, "verstümmelten mir die Geister Arme und Beine."

Copyright, Impressum und Kontakt