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Osip Rykunov, Insel Tojon-Aryy, Dschobulga, 17. Januar 1925

    Der werdende Schamane kränkelt anfangs lange Zeit. Er wird von Anfällen krampfhaften Singens erfaßt. Die Geister singen, die in ihn eingehen. Die Krankheit dauert verschieden lange, zuweilen bis fünf oder sechs Jahre. Die Geister seiner Vorfahren, längst verstorbener Schamanen, steigen herab. Der Geist eines verstorbenen Schamanen, der keine Blutsverwandten hat, wird ein Irrgeist. Manchmal findet solch ein Geist einen unglücklichen Menschen, wenn dieser gerade Lieder singt.

    Wenn blutsverwandte Nachkommen da sind, dann steigt der Schamanengeist vorzugsweise auf die Nachkommen in der weiblichen Abstiegslinie (siän uruu) herab. Von den berühmten Schamanen der alten Zeit stieg, soweit bekannt ist, nur einer, der Schamane Küstäch, nicht auf seine Tochterfamilie nieder.

    Bei manchen Berufenen gehen fast alle näheren Verwandten zugrunde. Der Geist des Schamanenvorfahren tötet, vernichtet, frißt sie dafür, daß sein Nachkomme seinen Anrufen sich wiedersetzt.

    Bei einem großen Schamanen muß für jeden Knochen seines Körpers je ein Mensch aus der Reihe seiner Blutsverwandten als Lösegeld sterben: für die acht Röhrenknochen - acht Menschen, für den Schädel - ein Mensch. So sterben für die neun Hauptknochen neun Menschen.

    Die Bestimmung, daß ein Schamane, der nach der richtigen Ordnung zerschnitten wird, nicht ohne ein menschliches Lösegeld ins Leben zurückkehrt, hat seit alter Zeit in unserer Sprache in einer Redensart Niederschlag gefunden. So sagt man nämlich von einem Schamanen: "Das ist ein großer, ein schrecklicher Mensch, dessen Namen man im geweihten Monat nicht unnütz aussprechen darf."

    Mit einem solchen Schamanen darf man nicht streiten. Auch soll man ihm nicht widersprechen. Alles, was er bittet, muß man ihm geben, und alle seine Aufträge ausführen. Sonst kann er jedes Unglück hervorrufen.

    Ein großer Schamane mußte sich in dem, was die Jakuten "die alte Zeit" nennen, zwangsläufig der Zerschneidung seines Körpers unterziehen. Während der Zerlegung seines Körpers mußte der Schamane außerhalb seiner Behausung im Freien liegen. Er hatte frisch geschälte Birkenrinde unter sich gebreitet. Nur einen Menschen wählt er aus seinen Verwandten aus, der ihm während der Krankheit aufwarten muß - einen reinen Knaben oder ein reines Mädchen, das noch nichts von einem Manne weiß.

    Volle vier oder fünf Tage lang liegt der Schamane ohne Gefühl da; aus seinem Munde tritt reichlich weißer Schaum; aus allen Gelenken rieselt Blut. Sein ganzer Körper ist mit blauen, blutunterlaufenen Stellen bedeckt. Man sagt, er habe die Sprache verloren. Er liegt halb tot da und atmet kaum.

    Man erzählt sich, daß in der unteren Welt das Fleisch des Schamanen von seinen Knochen getrennt und seine Teile auf den verschiedenen Wegen verteilt werden. Je ein Stückchen kommt auf die Abzweigung eines jeden Weges.

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