Home

Danksagungen

Das Kondorforum

Publikationen

Seminare

Links

Simurghs Schwingen

Über Mich

Literaturhinweise

Der Flug des Kondors

Schamanentum

Henochiana

Angelologie

Remote Viewing

Drachenkunde

Der Andenkondor

Der Feuervogel

Runenkunde

Lounge

Allgemeines

Die Praxis

Die Sitzung

Weiteres

Huna

Sibirisches Schamanentum

Mythen

Tuva



Jevdokim Vasiljev, 19. Februar 1925.

    In alter Zeit wurden in der Gegend mit dem Namen Üöttääch in unserem Bappagaj´schen Nasleg, wie die Legende erzählt, zwei Schamanenbrüder geboren. Einer hieß Ytschym, der andere mit seinem orthodoxen Taufnamen Basylaj. Einst stahl Ytschym einem Schamanen vom mittleren Viljui mit Namen Bölüökä-Uola den Vorrat an getrocknetem Fisch und aß alles auf. Dies war der Anlaß für die Feindschaft zwischen ihnen.

    Eines Abends sagte Ytschim, als er sich auskleidete, um zu Bett zu gehen, zu seinem Hausgenossen: "Ja, es spricht alles dafür, daß die Stunde gekommen ist, wo mein Feind Nölüökä-Uola mit mir ein Ende machen, mich 'fressen' wird. Leute, die ihr unter meiner Sonne geht, wenn ich mit ihm kämpfen werde, kommt mir zu Hilfe, einer mit einem Eisbrecher, einer mit dem Spieß! Nur haltet euch immer hinter mir und geht in keinem Falle vor!"

    So sagte er, zog sich aus und legte sich hin. Aber bald schon wälzte er sich auf dem Boden und begann unter Stiergebrüll mit den Händen die Erde aufzuwühlen, wie das der Stier tut, ehe  er mit seinem Gegner in den Kampf tritt. In diesem Augenblick wuchs mitten aus seiner Stirn ein Horn. Er wühlte weiter mit den Hörnern die Erde auf, grub ein Loch unter der Türschwelle und ging durch diese Öffnung auf den Hof hinaus. Die Hausbewohner beobachteten ihn und sahen, wie er allein, sichtlich zum Stier werdend, unter schwerem Gestöhn sich mit einem unsichtbaren Gegner stieß. Die Leute, erschreckt über diesen Vorgang, versteckten sich alle.

    Schließlich brach er den Kampf ab, kam in die Jurte und klagte mit den Worten: "Wie konntet ihr es vor euren Augen dulden, daß mich dieser Teufelssohn niederstieß?" Nach einiger Zeit sah man, daß die ganze untere Partie seines Halses ringsum geschwollen war. Davon starb der Schamane kurz darauf.

    Zwei oder drei Jahre vergingen nach dem Tode des Schamanen. Irgendwann einmal fand am See Aryylaach ein Fischfang statt. Man machte sich mit Sacknetzen ans Fischen. Unter dem versammelten Volk war auch der ältere Bruder des verstorbenen Schamanen, Basylaj.

    Plötzlich sieht das Volk, wie sich ein Wind erhebt. Wirbelnd erhob sich der Schnee wie eine Säule zum Himmel. Basylaj blickte auf diesen Wind und sagte: "Bei der Spitze meiner Hörner, bei der Schneide meiner Waffen, kommt da nicht mein Hündchen Ünügäs und hat den Schädelknochen des Bölüökä-Uola im Maul? Das bedeutet: wir sind nicht hier geblieben, um herumzusitzen und uns zu ärgern wie ein Fischer vor dem See ohne Fangnetz und lange Stange!" (Eine Redewendung, um das Gefühl kraftlosen Zornes auszudrücken. G.K.)

Copyright, Impressum und Kontakt