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Das Opfer

    Geister verlangen vom Schamanen häufig Opfergaben als Gegenleistung für ihre Dienste. Die Bandbreite rangiert von einfachen Gebeten, Dankesformeln oder kleinen Gaben bis hin zu größeren Ritualen, Observanzen oder Tabus. Wichtig bei jedem Opfer ist jedoch immer die Verhältnismäßigkeit. Es ist abzuwägen, ob das verlangte Opfer der Gegenleistung entspricht, die man erwartet. Dabei sind Geister eigentlich leicht zu befriedigen. Kleine Tabakopfer, Räucherungen, Opfergaben wie frisches Obst oder Gemüse, Honig und dergleichen, kleine Geldmünzen, ein Dankesgebet oder ein kleines Ritual sind meistens ausreichend. Gerade an Orten, die von Geistern bewohnt werden, sollte erst einmal um Erlaubnis gefragt werden, ob dieser Ort betreten werden darf. Ein kleines Opfer als Dankesgabe in Form von Tabak, Münzgeld oder Räucherstäbchen ist ein Akt der Höflichkeit und des Respekts den Ortsgeistern gegenüber.

    Opfer können auch viel subtiler und weniger offensichtlich durchgeführt werden. Als Beispiel möchte ich hier das Tanzkostüm oder die schamanische Tracht erwähnen. Durch die vom Schamanen aufgewendete Zeit und Energie wird das Kostüm bereits aufgeladen und geheiligt. Es heißt ja auch, daß man Zeit und Energie "opfern" muß, um etwas zu erreichen. Durch das Opfer finden die Geister Erdung und Materialisierung im Gegenstand. Dadurch, daß der Tanzschmuck oder das Schamanengewand vom Schamanen selbst angefertigt wird, fließt auch seine Persönlichkeit mit in das fertige Gewand.

    Ungewöhnlicher, aber immer noch im normalen Rahmen, sind Blutopfer, soweit es sich um eigenes Blut handelt. Der Opfernde verliert dabei nicht so schnell das Maß, wenn es um das eigene Blut geht. Frauen können die monatliche Blutung dafür verwenden, doch diese Blutung ist ein natürlicher Vorgang, der zwar manchmal mit Schmerzen einhergeht, aber als große Opfergabe einen scheinbaren Mangel aufweist. Frau trennt sich in der Regel gerne davon. Andererseits - das gestehe ich als Mann ein - sind mir die mystischen Zusammenhänge weiblicher Spiritualität nicht unbedingt bis ins letzte Detail hinein bekannt. Immerhin ist in diesem Blut auch ein unbefruchtetes Ei, welches vom Körper abgestoßen, auf dem Wege der Blutung entsorgt wird. Das Ei als Ursymbol des Keims, als Potential der Schöpfung ist natürlich ein großes Opfer. Doch, wem ist das schon bewußt? Blutopfer von Tieren sind da etwas ganz anderes. In Kulturen, in denen Schamanismus noch heute ein wichtiger Bestandteil ist, werden häufig Tieropfer durchgeführt, um Geister zu befriedigen.

    Es ist schwierig, Tieropfer in unserem Kulturraum zu rechtfertigen (in Zentraleuropa). Der kulturelle Hintergrund fehlt, den es ohne Zweifel früher gegeben hat. Vor allem im städtischen Rahmen dürften diese Opfer eher die Aufmerksamkeit des Tierschutzvereins auf sich lenken als die der damit angesprochenen Geister: In einem Hochhaus eine Ziege zu schlachten ist nicht unbedingt gerade anzuraten, obwohl es tatsächlich gelegentlich vorkommt, wenn Migranten versuchen, ihre kulturspezifischen Bräuche und Gewohnheiten in der Großstadt zu leben.

    Ich arbeite seit vielen Jahren in sogenannten "sozialen Brennpunkten" mit einem Ausländeranteil von oft mehr als 80%. Einmal, als ich dort mal wieder meine Adressen abklapperte, roch es im Treppenhaus eigenartig metallisch und verbrannt. Einen Tag vorher schlachteten die dort im selben Hochhaus lebenden Moslems eine Ziege oder so etwas ähnliches. Es stank mindestens drei Wochen lang danach. Bezeichnenderweise wiederholten sie diese Schlachtung im nächsten Jahr nicht mehr im Haus. Ich erinnere mich daran, daß die übrigen Bewohner, die entweder keine Moslems sind, oder angepaßter, sich sehr über die Geruchsbelästigung beschwert hatten.

Der Schamane führt die Seele des Pferdes vor den Herrn des Himmels     Im sibirischen Kulturraum wurden häufig Pferde geopfert. Sie wurden verschiedenen schamanischen Geistern dargebracht, um diese zu beruhigen und Reichtum und Wohlstand von ihnen zu erbitten. Die nomadischen Kulturen der Taiga sind/waren sehr viel mehr von der Natur beeinflußt, als wir es sind. Pferde sind das wichtigste Fortbewegungsmittel in einer ansonsten unbewohnten Wildnis. Ein Pferd war daher ein sehr wertvoller Besitz und in zunehmendem Maße erhält es seine alte zentrale Rolle wieder, denn obwohl in der fernen Taiga Sibiriens auch die Moderne Einzug gehalten hat, ist die Infrastruktur oft marode bis zum totalen Zerfall. Es wird nicht viel dagegen unternommen und so kommt es zwangsläufig zu einer Rückorientierung in die funktionierenden, althergebrachten Wege der Ernährung und des Lebensstils. Leider jedoch findet in Sibirien häufig auch der Geist des Alkohols eine große Anhängerschaft.

    Wenn also Geister ein Tieropfer fordern, sollte diese Forderung immer genauestens hinterfragt werden. Oft sind solche Opfer nicht tatsächlich durchzuführen und stehen symbolisch für einen weniger blutrünstigen Sachverhalt. Gerade in der modernen Gesellschaft erscheinen Tieropfer nicht unbedingt im Vordergrund schamanischer Handlungen. Prinzipiell ist ein schamanisches Tieropfer selten und nicht unbedingt notwendig. Es kann in den meisten Fällen vollkommen substituiert werden. Im Zusammenhang mit schwarzen Heilungen oder bestimmten Divinationstechniken können Tieropfer durchaus nötig werden.

    Der Schamane, der dieses Tieropfer dann durchführt, muß natürlich dafür sorgen, daß der Tiergeist des Opfertieres besänftigt und überzeugt wird. Was mit dem Kadaver zu geschehen hat, sollte genauso klar sein. Meistens dient der Kadaver dem Verzehr, kann aber auch vergraben, deponiert oder verbrannt werden. Tieropfer, egal in welcher Form auch immer, sind nicht Sache des Anfängers und sollten niemals zur Gewohnheit werden. Ein Tieropfer ist vielleicht notwendig, aber nie erstrebenswert. Im indischen Kulturraum gibt es große Opferrituale, bei denen tausende von Tieren geschlachtet werden. Ein nicht abzustreitender Blutrausch scheint Triebfeder dieser Exzesse zu sein. Die Ritualisten sind seit Jahrhunderten langsam in eine Obsession des Opfers abgeglitten und der Verlust der Verhältnismäßigkeit ist dabei deutlich zu erkennen.

    Im christlich geprägten Mitteleuropa werden Tieropfer leider automatisch mit Teufelskult und schwarzen Messen assoziiert. Schamanen, die Tieropfer in ihrem Repertoire haben, müssen sich dieser Tatsache bewußt sein. Das Tieropfer ist meiner Ansicht nach eine Degenerationserscheinung, denn eigentlich ist durch eine Hochladung des Magiers oder des Schamanen ein Blutopfer, bei dem die Vitalkraft des Tieres zur Materialisation verwendet wird, nicht mehr notwendig. Die Gehirnwäsche der Kirche hat in diesem Punkt gründlich gearbeitet - wohl wissend, daß die Eucharistie nichts anderes als ein symbolischer Verzehr und dadurch Verinnerlichung und Erdung des eigenen schamanischen Lehrers symbolisiert.

Bei den Kumandin im Altai

    Bei den Kumandin hingegen ließ man die Seelen der geopferten Pferde von selbst hochsteigen. Dazu hängte man die Häute der Pferde auf lange Stangen und ließ sie stehen. Pferdopfer wurden auch zum Anlas des "Empohebens der Knochen" eines Schamanengrabes durchgeführt. Siehe dazu auch die Erzählungen aus dem jakutischen Kulturraum!

    Innerhalb urbaner Regionen ist das Opfer mitunter auch eine Frage der Hygiene und allgemeinen Durchführbarkeit. Eine fachgerechte Schlachtung (Opferung) des Tieres sollte ebenso gewährleistet sein. In ländlichen Regionen ist dieses Wissen Alltag und nichts ungewöhnliches. Tieropfer werden daher eher dort ihren Platz haben als in den großen Städten und Metropolen. Sie gehören zu den stärksten Opfergaben, die von Geistern verlangt werden können. Die Vitalkraft des geopferten Tieres ist für Geister Nahrung und Medium der Erdung oder Materialisation. Natürlich spielt auch die psychische Wirkung auf Klient und Schamanen eine Rolle. Blut weckt in uns tief verwurzelte tierische Aspekte, es ist unser eigener Lebenssaft und uns im Physischen am nächsten.

    Eine weitere Form des Opfers, die heute eher mit gerümpfter Nase betrachtet wird, ist die Opferung von Sexualsekreten wie Menstruationsblut, Sperma oder von Sexualenergie. Sexualopfer gehören zu den gefährlichsten und stärksten Opfern. Das Sexualopfer hat einen stark schöpferischen Charakter. Geister gewinnen durch diese Art von Opfer viel Energie und können schnell organisch werden. Eine Kombination aus Blut und Sexualsekreten kann auch zur Weihung und Belebung von künstlich erschaffenen Dienerwesen verwendet werden. Allerdings können Opfer der Sexualkraft ebenso wie Blutopfer noch schneller zum Selbstzweck entarten und zur Obsession werden. Beide Opferarten verlangen sehr viel innere Disziplin vom Schamanen oder vom Magier. Es gibt einen eigene Richtung in der Magie, die Sexualmagie, die sich ausschließlich mit diesen Praktiken beschäftigt.

    Die Opfer, die etwas vom Schamanen fordern wie obige Sexual- oder Eigenblutopfer oder andere Arten, in denen Fingernägel oder Haare benutzt werden, sind immer bindungsstärkend. Im Falle der Opferung von derartigen Mumia ist dies von Anfang an der Fall. Daher sollten diese Opfer sehr stark bedacht sein und nicht leichtfertig ausgeführt werden. Energetischer Vampirismus kann sehr schnell einsetzen und nur schwer wieder gebannt werden. Es gibt einige extrem vorsichtige Menschen, die ihre eigenen Mumia, die bei der täglichen Körperpflege anfallen, besonders entsorgen. Auch das Abbild, das durch die Photographie von ihnen gemacht wird, kann als Mumia Verwendung finden.


Pferdeopfer: Abakan, Region Atschinsk,Volksgruppe der Katschinen; Aufnahme von Sch.D. Majnagaschew, 1914.
Geopferte Pferde: Altai, Volksgruppe der Kumandin, Aufnahme von Jermolin, 1900.
Beide Photographien: © Russisches Ethnographisches Museum, St. Petersburg.

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