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Die Schamanische Sitzung - Allgemeine Informationen und Befunderhebung

    Da die schamanische Sitzung mit dem Klienten einen recht wichtigen Teilbereich der schamanischen Arbeiten ausmacht, erläutere ich in hier einige wichtige Dinge, die für das Schamanisieren bei dem Einen oder Anderen einmal an Bedeutung gewinnen könnten.

    Schamanische Sitzungen werden in den letzten Jahren immer häufiger von immer mehr Menschen ausgeführt, die nur rudimentär eine Vorstellung davon haben, was sie da tun. Der Hintergrund dieser Entwicklung ist die durchaus fragliche Einstellung der esoterischen Szene, ein jeder könnte ein Schamane sein. Mit Einschränkungen ist dieser Satz auch richtig. Jeder kann die schamanische Reisetechnik erlernen und mit den Verbündeten arbeiten, von Anfang an. Aber nicht jeder sollte damit beginnen, Klienten zu schamanisieren. Vor allem nicht von Anfang an.

    Heute begegnen mir im Internet Anfänger, die nach wenigen Monaten und maximal ein oder zwei Jahren mit schamanischen Sitzungen hausieren gehen. Manchmal denke ich sogar darüber nach, ob dieses unsägliche Heilpraktikergesetz durchaus seine Berechtigung hat. Sonst würde der Scharlatanerie noch weiter die Tür aufgemacht werden als es ohnehin bereits geschehen ist. Ich frage mich, was in diesen Menschen vorgeht, die sich selbst nach ein, zwei Seminaren bereits "Schamane" nennen. Möglicherweise gibt es deswegen inflationär viele Möchtegernschamanen in unserem Kulturkreis, weil es weder eine allgemeine, geschützte und an Bedingungen geknüpfte Berufsbezeichnung, noch einen verbindlichen Ausbildungsstandard geben kann.

    Den monetären Aspekt übersehe ich dabei nicht. Wie der bei den einzelnen Kommerzschamanen aussieht, läßt sich einfach an deren schamanischen Beratungshonoraren ersehen, die durchaus deutlich machen, daß eine Mittelschicht angesprochen wird, die sich das auch leisten kann. Die Schattenseite davon sind jedoch Klienten, die hohen finanziellen und leider auch manchmal psychischen oder schlimmeren Schaden erleiden, weil sie von Laien therapiert werden, die, kein Fundament in der etablierten Medizin besitzend, manch ein Symptom einer seelischen Erkrankung für ein rein spirituelles Problem halten. Sie vertrauen ihren (vermeintlichen) Verbündeten, mit denen sie vielleicht gerade mal ein paar Wochen zusammenarbeiten, und sind unsicher im Umgang mit den Reiseergebnissen.

    Dieser Erfahrungsmangel kann fatale Folgen für den Klienten haben. Ich persönlich empfehle jedem Klienten, sich aus mehreren, voneinander unabhängigen, Quellen über den Schamanen ihrer Wahl Informationen zu beschaffen, um sich ein Bild von der Person zu machen. Funktionierende Qualitätsmerkmale eines guten Schamanen sind sehr rar gesät. So betrachte ich immer die Manifestationskraft der Person, die sich Schamane nennt. Ein Schamane kann wunderbare Visionen und Heilsrituale erhalten. Wenn diese sich in der materiellen Wirklichkeit in Form erfolgreicher schamanischer Sitzungen zeigen, ist es ein starker Schamane. Das ist natürlich nicht leicht verifizierbar, denn ein mieser Schamane wird kaum von seinen bescheidenen Erfolgen berichten.

    Als Hilfsmittel habe ich einige Fragen zusammengestellt, die vielleicht dabei helfen, einen Schamanen einzuschätzen. Was berichten Klienten von ihm? Wie gut manifestiert der Schamane die Visionen, die er hat? Beispielsweise könnte es sein, daß ein Schamane sich auf einen Lehrer beruft. Diesen Lehrer kann man kontaktieren, um diese Behauptung nachzuprüfen. Ein Vorgespräch mit dem Schamanen ist eine unbedingte Pflicht. Was erzählt dieser Mensch? Ist er selbstherrlich oder relativiert er sich selbst? Wie lange praktiziert er das Schamanentum bereits? Wie denkt er? Versucht er, vom Schamanisieren zu leben? Wie ist das Verhältnis zwischen Preis und Leistung? Gibt es Schüler von ihm? Wie handeln und denken sie? Laufen sie ihm kritiklos nach, beutet er sie aus? Betrachten sie seinen Seminarskalender: Wie teuer ist er? Wieviele Teilnehmer sind in einem Seminar zugelassen? Wenn sie im Internet recherchieren: Was schreiben Stammesangehörige über den Schamanen, falls es ein Native ist?

    Letztlich entscheiden Sie als Klient selbst, wer an ihnen herumschamanisieren soll. Da helfen die besten Ratschläge nichts. Also sehen wir uns doch einmal das an, was ich so über die schamanische Sitzung an sich weitergeben will.

Allgemeines zur schamanischen Sitzung

    Über speziellere Techniken schreibe ich hier nur wenig, da bereits vielseitige Literatur zu diesem Thema erschienen ist und die Geister in dieser Angelegenheit ohnedies ihren eigenen Weg gehen. Die besprochenen Wege sind also als reine Anregungen zu verstehen. Ich verweise auf Paul Uccusic, Michael Harner und Nicholas Hall. Bevor sich Anfänger auf diesem Gebiet versuchen, möchte ich dazu anmerken, daß der schamanisch Praktizierende Heilungen nicht berufsmäßig oder gewerbsmäßig ausüben darf, ohne die gesetzlichen Bedingungen dafür zu erfüllen, die im Heilpraktikergesetz niedergelegt wurden. In meinen Augen wird damit der Berufsstand des Geistheilers und des Schamanen diskriminiert, stammt das Gesetz in seiner grundlegenden Form immerhin noch aus dem Dritten Reich (1939) und wurde gegen jüdische Wanderheiler eingesetzt. Es ist ein Jammer, daß das deutsche Recht noch solche Fossilien in sich birgt - andererseits ist es wenigstens ein Gesetz, welches versucht, die wirklich gruseligen Entwicklungen in den letzten Jahren halbwegs in den Griff zu bekommen.

    Ein exzellenter Kontakt ins Zwielicht ist eine der wichtigsten Voraussetzungen zum schamanischen Heilen. Die Geister wissen sehr genau, welche persönliche Grenzen und Befähigungen beim Einzelnen vorhanden sind und geben in der Regel korrekte Anweisungen. Natürlich gibt es mittlerweile einen Haufen toller Schamanen, die genau das von sich behaupten. Dabei übersehen die meisten jedoch, daß es eben doch ein bißchen länger dauert, als die sprichwörtlichen zwei Seminare, um das herauszufinden. Der Schamanist erhält durch seine Verbündeten die Befähigung und Kraft um zu helfen. Um sich allerdings einige Fußangeln und Fehler zu ersparen, habe ich an dieser Stelle einige wertvolle Tips zusammengestellt, die ein Leitfaden für schamanisches Heilen sein könnten. Klienten müssen dem Schamanen zuerst einen Auftrag erteilen, eine schamanische Sitzung durchzuführen, bevor der Schamane überhaupt aktiv werden darf. Ist ein Klient nicht mehr ansprechbar (im Koma, zu jung oder verstorben), sollten dessen Verbündete oder sein Zwielichtaspekt kontaktiert werden. Auch wenn der Klient den definitiven Wunsch hegt, schamanischen Beistand zu erhalten, kann es sein, daß die Geister eine Sitzung ablehnen. Daher muß immer abgeklärt werden, ob überhaupt eine schamanische Hilfe angeraten ist - also: Geister fragen!

    Es gibt natürlich auch eine ganz bestimmte Sorte von Menschen, die "Schamanenhopping" betreiben, von einem Schamanen zum nächsten, immer wieder dasselbe Problem auf den Tisch legend. Diese Menschen haben eine vollkommen andere Situation, die erst in zweiter Linie auch schamanisch ist. Hier zahlt es sich aus, wenn sie einiges über psychologische Zusammenhänge wissen, oder ihr Kontakt zu den Geistern ist wirklich gut ausgeprägt. Bei solchen Menschen ist es zweckfrei, nochmal die Trommel zu schwingen. Vielmehr ist es dem Klienten anzuraten, sich dringend psychotherapeutische Hilfe zu holen. Wer mehrfach mit demselben Kopf gegen dieselbe Wand rennt hat ein echtes Problem der Selbstwahrnehmung. Etwas besser ist es, wenn ein Klient mit einer klinischen Diagnose unter medizinischer Beobachtung steht. Sichern Sie sich dadurch ab, indem Sie von einem solchen Klienten verlangen, mit seinem behandelnden Arzt oder Therapeuten über eine schamanische Sitzung zu sprechen. Leider ist die Kooperationsbereitschaft dieser Berufsgruppen mit Schamanen noch nicht wirklich ausgeprägt - wäre dem so, könnte ein Gespräch zwischen dem Schamanen und dem Therapeuten oder Arzt größere Probleme verhindern helfen, den Therapieplan gegebenenfalls umzustellen oder dergleichen. Leider besitzen die wenigsten Schamanen ausreichende Fachkenntnisse, um ein solches Gespräch zu führen.

    Der grobe Ablauf einer schamanischen Sitzung wie ich sie durchführe, ist folgender: Zuerst grenze ich den Raum, den Klienten und mich von der Alltagswelt ab - das geschieht durch Trommeln und durch das Errichten meines Tisches. Im südamerikanischen Kulturraum heißt das Mesa - für mich ist der Tisch und die darauf befindliche Kerze der Mittelpunkt des Universums, zumindest solange die Sitzung andauert. Anschließend rufe ich meine Verbündeten, die Ortsgeister und die Geister meines Klienten an und bitte sie um Hilfe bei der Heilung des Klienten. Danach gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder ich erarbeite eine Fragestellung mit dem Klienten oder ich mache sofort eine schamanische Reise zu dem Problem des Klienten. Das Gesehene wird kurz durchgesprochen und ich erkläre was ich anschließend durchführen möchte. Nach der schamanischen Arbeit schließe ich die Aura des Klienten und danke den Geistern. Ein Spaziergang oder ein gutes Essen nutze ich zur Erdung - wenn nicht noch Arbeiten durchzuführen sind, die den Klienten nicht erfordern. Noch etwas: Es gibt niemals eine Garantie auf Erfolg. Jeder, der anderes behauptet, ist sehr anzuzweifeln. Auch gibt es natürlich keinen Absolutheitsanspruch des Heilers und der Klient sollte jederzeit die Möglichkeit behalten, den Schamanen zu wechseln, wenn er will.

    Der Schamane kann mit dem Klienten eine konkrete Fragestellung erarbeiten. Dabei wird sich der Klient bewußt, was er eigentlich vom Schamanen erwartet. Dieser Findungsprozeß selbst kann schon ein Teil des Heilungsprozesses sein, den der Klient durchmacht. Manchmal kann es erforderlich sein, ein sehr langes Gespräch mit dem Klienten zu führen. Mit der Hilfe des Schamanen beleuchtet der Klient dabei oft alle möglichen Aspekte seiner Krankheit. Der Schamane ist dabei eher zurückhaltend, gerade was eine eventuelle Deutung angeht. Mit der Zeit kann ihr Erfahrungsschatz soweit gediehen sein, daß Sie eine Tendenz feststellen können, ob ein Seelenverlust, eine Besetzung oder etwas anderes vorliegt. Manche Klienten wissen ganz genau was ihnen fehlt oder sie bedrückt. Im Gespräch haben die Klienten die Chance, sich ihr Erleben und ihre eigene Sicht der Dinge klarzumachen und dem Schamanen nahe zu bringen.

Der schamanische Klient

    Es hat sich bewährt, die Informationssammlung insofern einzuschränken, so daß Sie sich nur die Handlungen und Probleme zeigen lassen, die hier und jetzt von den beteiligten Personen bewältigt werden können. Dummerweise wird das gerne mal vergessen und es kann sein, daß der Klient mit den schamanischen Aktionen überfordert wird - sei es, weil es ihm einfach zuviel wird, oder Dinge angegangen werden, die zum fraglichen Zeitpunkt einfach nicht relevant sind. Das Problem der Informationen, die wir beim Schamanisieren erhalten, ist, daß die Geister selbst kein lineares Zeitgefühl besitzen.

    Ein weiteres Problem ist, daß Klienten mit einer gewissen Erwartungshaltung vor ihnen sitzen. Es macht durchaus Sinn, zuerst einmal mit dem Klienten darüber zu reden, was er eigentlich von der Sitzung oder von ihnen erwartet. Eine Abgleichung ist sinnvoll, um Probleme zu vermeiden. Es muß dem Klienten oft genug verdeutlicht werden, worin der Unterschied zwischen einer schamanischen Sitzung, einer psychotherapeutischen Sitzung oder einem Arztbesuch liegt.

    Wie ich schon ausgeführt habe, ist eine schamanische Sitzung mit schamanischen Dingen beschäftigt. Ich habe oft schon ein recht peinliches Psychologisieren bei solchen Sitzungen erleben müssen, weil Schamanen die Grenze zu den rein psychischen Problemen nicht ziehen können. Wenn mich irgendwer mit psychologischen Problemen um eine Sitzung bittet, lautet mein erster Satz: "Ich habe auf Geister gelernt und nicht auf die Psyche." Klar ist, daß schamanische Sitzungen durchaus auf die Psyche Rückwirkungen haben können. Manchmal sogar heftige und fundamentale. Deswegen ist es umso wichtiger, daß psychisch erkrankte Menschen vor einer schamanischen Sitzung mit ihrem Therapeuten darüber beratschlagen sollten. Falls der ein spiritueller Ziegelstein ist, wäre es vielleicht angebracht, sich zu überlegen, ob ein solcher Therapeut überhaupt geeignet ist.

    Andererseits wissen Klienten oft überhaupt nicht genau, was ein Schamane eigentlich genau ist. Fragen Sie zehn Menschen, was ein Schamane ist und sie erhalten zwölf verschiedene Ansichten dazu. Ein besonders merkwürdiger Fall war folgende Frage, die mir Mitte der 90er Jahre telefonisch gestellt wurde: "Sie sind doch Schamane - also machen Sie auch Schwitzhütten." - ich wußte damals nicht einmal, was eine Schwitzhütte überhaupt sein soll. Erst als ich mich mit den Religionsformen der nordamerikanischen Natives beschäftigte, konnte ich mit diesem eigenartigen Gedankengang überhaupt etwas anfangen.

    Natürlich ist es auch eine rechtliche Frage, wie sie mit Klienten umgehen. In Deutschland ist es nicht gerade empfehlenswert, die Schamanerei als Gewerbe zu betreiben. Ohne Heilpraktikerschein ist das einfach nicht erlaubt. Mit dieser Problematik einhergehend ist die Frage nach der Entlohnung der getanen Arbeit. Über die rechtlichen Aspekte gibt es ausreichend Informationen im Internet. Ich rege Sie an, in den Untiefen des WWW nach genaueren Angaben dazu nachzuforschen.

Schamanische Situationsklärung

    Es gibt verschiedene Formen der schamanischen Erhebung eines Befundes. Ich vermeide hier den Begriff "Diagnose", denn er impliziert eine medizinische Komponente. Im Folgenden ist es unwichtig, ob die Fragestellung vorher erarbeitet worden ist oder der Schamane sich selbst das Thema stellt: "Was kann für N.N. schamanisch unternommen werden und was davon kann ich hier und jetzt durchführen?" Innerhalb der Foundation for Shamanic Studies wird gerne die Tunneldiagnostik angewendet. Der Schamane reist in den eigenen oder den Tunnel des Klienten und versucht anhand des Vorgefundenen dem Klienten zu helfen. Oft ist bereits während dieser Reise die eigentliche Heilungsarbeit mit integriert, so daß der Schamane anschließend dem Klienten oft erste durchgeführte Maßnahmen mitteilen kann. Im Tunnel können sich Gegenstände, Tiere oder Hindernisse, andere Geister oder irgendetwas anderes befinden, was der Schamane in irgendeiner Form bereinigen muß.

    Eine andere Form der Heilungsreise ist die Reise in den Körper des Klienten. Genau wie bei der Tunnelreise ist es möglich, dabei bereits heilende Aktivitäten durchzuführen. Jedoch dient diese Reise viel mehr der Befunderhebung. Anschließend können dann Extraktionen oder Seelenarbeiten anliegen. In meiner eigenen Arbeit habe ich gelernt, einfach durch das Betrachten des Klienten einen schamanischen Befund zu erheben. Dabei gehe ich in Trance und bekomme einerseits von meinen Verbündeten und andererseits über das Erscheinungsbild des Klienten in der Mittelwelt genaue Daten über das von mir Machbare und den schamanischen Problemen des Klienten. Wie gesagt, das geschieht in Volltrance und ist leider nur schwer zu beschreiben. Ein Weg, um diese Technik für sich zu entdecken, ist, den Klienten auf dem eigenen Kraftplatz oder einem anderen Ort im Zwielicht vor sich liegen zu haben. Die Geister wissen, wie das funktioniert und der Befund kann auf diese Weise oft ebenso genau erhoben werden, wie mit anderen Techniken.

    Mit Tieren schamanisch zu arbeiten, ist sehr viel einfacher. Es ist nicht notwendig, ihnen plausibel zu machen, was eigentlich gemacht wird. Tiere sind immer präsent und, um es mit magischen Worten zu sagen, "mit ihrem Willen eins". Dadurch kann eine Sitzung für ein Tier weitaus effizienter und schlanker gestaltet werden als bei einem Menschen. Um es salopp auszudrücken: Tiere brauchen kein Brimbamborium, um gesund zu werden und stellen keine dummen Fragen. Bei einer Sitzung mit Tieren kann beobachtet werden, daß sich Tiere außergewöhnlich ruhig verhalten. In natürlicher Umgebung finden sich am Ritualort oft wilde Tiere ein, die teils aus Neugierde einfach zusehen.

    Manchmal kann der Klient mehr mit den Bildern anfangen als Sie, manchmal aber müssen Sie die gesamte Interpretationsarbeit selbst durchführen. Dabei ist natürlich der vielbesagte gute Kontakt zu ihren Geistern nötig, und nicht zuletzt auch Erfahrung. Diese Voraussetzung wiederhole ich gerne und häufig, damit die Wichtigkeit davon deutlich wird. Wenn der Klient selbst agiert und ein Bild erzeugt, wie zum Beispiel eine Szenerie mit einem Boot oder seinen eigenen Lebensbaum beschreiben soll, grenzt diese Form der Diagnostik an psychologische Techniken der Befunderhebung. Wird ein Klient von mehreren schamanisch Tätigen diagnostiziert, geschieht es häufig, daß unterschiedliche Sachverhalte und Dinge gesehen werden. In der Regel bekommen Sie immer genau die Dinge zu sehen, mit denen Sie in der anschließenden Sitzung auch umgehen können. Erfahrungsgemäß haben Klienten oft eine ganze Reihe von Problemen, da ist es nicht ungewöhnlich, daß eben auch mehrere in der schamanischen Reise gesehen werden. Allerdings, wenn man die Abweichungen in der Symbolsprache des Einzelnen ausfiltert, gruppieren sich die Ergebnisse oft um zwei bis drei wichtige Kernprobleme. In großen Trommelkreisen kann genau dieses Phänomen gut beobachtet werden.

    Interessanterweise lassen sich alle schamanisch lösbaren Probleme auf drei Wurzeln reduzieren, die oft in Kombination oder auch versteckt auftreten: Der Seelenverlust, die Besetzung und die Verzauberung. Zum dritten Komplex muß allerdings angemerkt werden, daß er wirklich selten ist. 99 von 100 Menschen, die glauben, Opfer einer magischen Attacke zu sein, sind es nicht. Drei Faktoren müssen eintreffen, damit ein magischer Angriff wahrscheinlich wird: Erstens, der Betroffene muß mit Personenkreisen bekannt sein, die tatsächlich in der Lage sind, wirksame Zauber zu verhängen. Das ist eher selten, auch wenn jetzt einige Egomanen laut aufschreien werden. Zweitens, der Betroffene muß einem Hexer einen triftigen Grund geben, magisch aktiv zu werden - ein nicht zu unterschätzender Punkt, und drittens muß der Hexer dann auch tatsächlich aktiv werden. Die meisten vermeintlichen "Angriffe von Hexen" beruhen auf einer Verkennung der Umstände und einer krassen Selbstüberschätzung: "Ach bin ich wichtig! Ich werde magisch angegriffen", oder schlicht auf ungestillte Sensationslust und Wichtigtuerei, um Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren.

    Geopathologische Belastungen rechne ich nicht zu den Dingen, die innerhalb der schamanischen Sitzung zufriedenstellend gelöst werden können, außer ich befinde mich an Ort und Stelle und kann durch Ratschläge helfen. Die Hilfe der Geister ist in diesem Falle unnötig. Gebietsbesetzungen jedoch sind sehr wohl lösbar.

    Es ist in den meisten Fällen illusorisch anzunehmen, das Problem sei nach einer oder zwei schamanischen Sitzungen gelöst. Ist eine schamanische Sitzung erfolgreich abgeschlossen worden, hat man zwar die krankhaften Strukturen im Klienten aufgelöst, sublimiert oder entfernt, aber Gewohnheiten und Umfeld des Klienten sind immer noch gleich geblieben. Ohne Eigeninitiative fällt der Klient mit Sicherheit wieder in die alte Problematik zurück - früher oder später. Am besten ist es, wenn der Klient in psychotherapeutischer oder medizinischer Behandlung steht und die schamanische Behandlung als Ergänzung betrachtet. Schamanismus ist keine Wundermedizin oder Allheilmittel. Damit eine schamanische Sitzung bleibenden Erfolg bewirken kann, ist es also für den Klienten auch wichtig, selbst aktiv zu werden. Eine Heilung kann zwar innerhalb von ein oder zwei Sitzungen erlangt werden, aber diese Situation ist eher selten. Dabei muß Ihnen auch klar sein, wenn Sie einen Klienten immer wieder herzitieren oder der Klient x-mal um eine Sitzung bittet, daß die Gefahr eine Koabhängigkeit dabei sehr hoch ist, wenn sie nicht schon eingetreten ist.

    Schamanische Sitzungen erfolgen in eigener Verantwortung des Klienten, machen Sie sich selbst und ihm das klar. Es gibt natürlich keine Heilsgarantie, wer das Gegenteil behauptet spricht die Unwahrheit. Der Klient sollte sich darüber im Klaren sein, daß die Sitzung nicht professioneller Natur ist, sondern höchstens im freundschaftlichen Rahmen stattfinden kann, es sei denn, der Schamane ist Heilpraktiker oder Arzt. Eine Kompetenzgarantie geben diese beiden Berufsbilder jedoch trotzdem nicht.


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