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Das Krafttier und das Totem

    Wenn Sie auf die schamanische Reise gehen, werden ihnen über kurz oder lang auch Bewohner des Zwielichts begegnen. Von den durchaus verschiedenen Wesen greife ich hier nur die wichtigsten für ihre schamanische Praxis heraus. An dieser Stelle beschreibe ich das Krafttier oder das Totem etwas genauer und gebe Ihnen einige Anregungen, mit diesem Wesen umzugehen und den Kontakt zu vertiefen. Eigentlich ist der Kontakt mit den einzelnen Geistern ähnlich wie ein klassischer Pakt. Der Schamane opfert oder erfüllt die Bitten der kontaktierten Geister, und erhält dafür diverse Gegenleistungen, die abgemacht werden. Beim Krafttier ist dies ähnlich, und doch ist das Krafttier weit mehr, als nur ein Partner in einer quasi geschäftlichen Beziehung.

    Autoren, die sich das Gebiet des Schamanismus als Broterwerb ausgesucht haben, benennen diesen Partner unterschiedlich: Totem, Nagual, Krafttier, Schutzgeist/-engel/-tier, Fylgja, Klanwesen, Tierseele oder Alter Ego, um nur ein paar der prominenteren Bezeichnugen aufzuzählen. Diese Begriffe werden meistens irgendwelchen indigenen Weltbildern entnommen und sprechen damit den meistens tierartigen Partner und Helfer in der NAW an. Hier in unseren Breitengraden hat sich zumeist der Begriff des "Krafttieres" durchgesetzt, was wir der FSS zu verdanken haben, die ja diesen Begriff in den Basiskursen praktisch einführt. Die zentrale Rolle, die das Krafttier im Schamanentum Zentraleuropas spielt, ist eine Besonderheit, wie sie so in den nativen Kulturen nicht unbedingt verbreitet ist. Dort sind zwar diese Wesen bekannt, aber häufig sind die Ahnen, oder aber auch andere Geister, wie die Geister der Krankheiten, weitaus bedeutender in der schamanischen Arbeit.

    Es gibt einen Unterschied zwischen dem persönlichen und dem unpersönlichen ... (bitte hier ihren Lieblingsbegriff einfüllen). Das persönliche Krafttier kann nur auf den Schamanen selbst bezogen werden. Unpersönliche Krafttiere können durch astrologische Methoden, durch Stammesüberlieferung (KLANwesen) auf einen ganzen Klan bezogen oder durch Familientraditionen ermittelt werden. Auf Klanwesen gehe ich im Zusammenhang mit unseren Ahnen ein. Unpersönliche Krafttiere "hat" jeder, der sich in der entsprechenden Gruppe befindet oder das richtige Buch liest, gleichgültig ob Schamane oder nicht. Im Falle magischer Orden wäre das Klanwesen das Egregore, um nur ein Beispiel anzubringen.

    Es gibt mehrere Sorten von Krafttieren. Als wichtigstes sei hier das lebenslängliche Krafttier genannt, das von mir Totem genannt wird. Im Lauf ihres Lebens begegnete Ihnen mit Sicherheit bereits in früher Kindheit ein Krafttier auf die eine oder andere Weise in der Wirklichkeit oder im Traum. Ich selbst lernte mein Totem bereits im Alter von drei Jahren kennen. Ich traf es im Tiergarten an und sah es hinterher immer wieder - auch im Fernsehen. Intuitiv wußte ich bereits damals, daß Kondor zu mir gehörte. Gegenüber meinen Eltern erwähnte ich sogar, ich selbst sei das dort gezeigte Tier. Zwar wurden mir meine Flausen damals ausgeredet, aber vergessen konnte ich die Begegnungen nicht. Fast zwei Jahrzehnte später war der Andenkondor das erste Tier in einer großen Falknerei, das mit mir Kontakt aufnahm und mich sofort akzeptierte. Wer schon einmal mit Greifvögeln und Geiern gearbeitet hat, wird wissen, wie schwierig es ist, als Mensch einen solchen Kontakt aufzubauen, der auf gegenseitigem Vertrauen basiert. In der Zwischenzeit habe ich ein sehr tiefes Verhältnis zu meinem Totem aufbauen können und weiß sehr viel über die besonderen Kräfte und Schwächen meines Tieres. Meine Persönlichkeit besitzt starke Aspekte des Totems, ein weiterer Effekt einer solchen lebenslangen Beziehung.

    Dazu muß erwähnt werden, daß Kondor viele Jahre lang keinesfalls das dominante Tier war, sondern auch Adler, Tiger, Elefant und Delphin je nach Situation und Lebensabschnitt eine wichtige Rolle spielten. Das Haupttier jedoch blieb immer irgendwo still im Hintergrund, um sich sofort zurückzumelden, als ich zu schamanisieren begann. Wie schon erwähnt, gibt es auch andere Tiergeister, die sich für eine gewisse Zeit einem Schamanen anschließen. Diese Tiergeister sind ebenso Krafttiere, die jedoch eher zu wechseln neigen - daher nenne ich sie auch gerne Lebensabschnittsbegleiter. Je nach Lebensphase oder spezieller Aufgabe variiert die Dauer der Anwesenheit zwischen ein paar Wochen und einigen Jahren. Es gibt auch spezielle Krafttiere, die nur mit einer einzigen Spezialaufgabe zu tun haben. Menschen mit mehreren Krafttieren gleichzeitig tendieren dazu, gerade solche Spezialisten zu besitzen. Interessant dabei ist, daß sich im Laufe der Jahre dann auch nur ein oder zwei Tiere herauskristallisieren. Als besondere und außergewöhnliche Ehre sollten sie es betrachten, wenn der Tiergeist ihnen Teile wie Federn oder ein Fell schenkt. Ich meine mit "schenken", daß es auch nichts kosten wird, diese Dinge zu erhalten. Sie finden Federn im Wald, andere Teile wiederum - wie Wolfsfelle oder andere Fetische - sind äußerst schwer zu erhalten, wenn die Geister es jedoch erlauben, dann wird es für Sie allerdings einfach sein. Aber bitte denken Sie daran, daß Sie diese Kraftgegenstände sicher nicht über eBay billig ersteigern können - das meinte ich nämlich nicht mit "schenken". Halten Sie diese Geschenke in höchsten Ehren, denn durch Sie können sie viel schneller und intensiver mit ihrem Krafttier Kontakt aufbauen, Sie haben damit einen direkten Kanal zur Kraft ihres Tieres.

    Tiergärten sind doch eine feine Einrichtung, denn dort können sie den körperlichen Vertretern ihres Krafttieres begegnen, wenn es dort wo Sie leben nicht heimisch ist. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob es besser ist, Tieren in der freien Wildbahn oder in Gefangenschaft zu erleben. Leider ist es heute oft genug viel einfacher, ihnen im Zoo zu begegnen, weil sie in der freien Wildbahn vom Aussterben bedroht sind. Ich höre immer wieder, daß Tiere, in zoologischen Einrichtungen gehalten, nicht mehr die Kraft hätten wie ihre Artgenossen, die noch in Freiheit leben. Gerade im Zusammenhang mit Krafttieren und Teilen dieser Krafttiere, wie Fellstücke, Federn oder dergleichen wird das als Argument gegen beispielsweise Mauserfedern solcher in Gefangenschaft lebender Exemplare angeführt. Seit ich davon gehört habe, ist es mir schleierhaft und unerklärlich, sowohl rational deduktiv als auch spirituell explorativ, wie diese Behauptung belegbar sein soll. Es klingt, als ob Tiere, die in Gefangenschaft gehalten werden, plötzlich nicht mehr Kraft genug hätten oder so etwas. Für mich stammen solche bizarren Aussagen aus einer Mischung von emotional gefärbtem Halbwissen spiritueller und allgemeiner Natur. Wie wichtig diese Arbeit der zoologischen Institute ist, können Sie sich im speziellen Fall des kalifornischen Kondors gegenwärtig machen, der nur durch die Aufzucht in Gefangenschaft überhaupt als Tierart heute noch in Freiheit beobachtet werden kann, nachdem das Wiederaufzuchtprogramm erfolgreich verlief. Ist nun ein ausgewilderter Kondor, der vorher nie in Freiheit lebte, gegenüber seinem Artgenossen aus der freien Wildbahn energetisch und spirituell im Nachteil? Ich habe selten so einen Unsinn gehört.

    Persönliche Krafttiere besitzt an und für sich auch jeder, doch nur der Schamane arbeitet mit ihnen zusammen und kennt sie. Es gibt fast keine Regel, welches Aussehen Krafttiere haben können, wie stark und wieviele es sind, ob sie immer da sind, oder ob eines mal ein paar Tage weg ist und Urlaub macht oder sehr selten ganz verschwindet. Über das Verhalten, den Charakter und die Fähigkeiten der Krafttiere gibt es einiges an Literatur, die ihnen die Arbeit abnehmen wollen - nehmen Sie diese besser nur als Anregung. Krafttiere können auch - wenn sie sich mal verzogen haben - zurückgebracht werden. Krafttiere eignen sich auch hervorragend dazu, Wünsche zu realisieren. Manchmal tun sie das auch ungefragt. Je besser ihr Kontakt mit dem Krafttier ist, desto häufiger und intensiver werden diese Erfahrungen.

    Es lassen sich bei dem lebenslangen Krafttier eindeutig Parallelen zum heiligen Schutzengel (nach Abramelin oder Crowley) ziehen. Das lebenslange Krafttier ist jedoch nicht unbedingt der heilige Schutzengel, wie Sie jetzt vielleicht glauben werden, wenn Sie in magischen Dingen erfahrener sind. Diese Wesen aufs Hilfsgeisterniveau zu reduzieren - wie es manche Ethnologen oder Möchtegernschamanen gerne tun - sollte übrigens auch sehr genau überdacht werden. Ich halte es sogar für falsch. Hilfsgeister sind etwas ganz anderes. Ein Hilfsgeist besitzt eine Art Zeitvertrag mit dem Schamanen. Er ist Spezialist in seinem Aufgabenbereich. Die Bindung mit dem Schamanen ist eine rein geschäftliche, die Bindung zu einem Totem hingegen ist viel tiefer. Der mythologische Ursprung der Schamanen wird in vielen Kulturen damit erklärt, daß ein Krafttier (die Tiermutter) - meistens ein Adler - vom Himmel herabgeschickt wird und eine Frau schwängert, die dann den ersten Schamanen gebärt. Schamanen haben gerne mehrere Hilfsgeister und binden sie auch an materielle Gegenstände. Das Totem kann auch mit den sogenannten Tierkönigen verglichen werden, die in mancher Fabel Erwähnung finden. Totemtiere sind niemals explizite Geister verstorbener Exemplare der entsprechenden Tierart, sondern entsprechen dem Archetyp der jeweiligen Tiergattung. Es ist also nicht die Kraft eines Bären, sondern die Kraft von Bär, die ein Bärenschamane in sich spürt! Ich habe erst im Jahre 2001 diese Aussagen im magischen System des hawaiianischen Huna nachvollziehen können, Max Freedom Long erwähnt, daß es für Tiere sozusagen ein kollektives hohes Selbst gibt und die Kahuna mit diesen Wesen in Kontakt treten könnten. Ein weiteres Detail liefert die altpersische Religion der Parsen. Bei ihnen lautet der Name dieses Wesens Fravashi und es gilt als höchstes Ziel des Lebens, sich während des Lebens dem Schutzgeist anzunähern und im Tode Eins mit ihm zu werden (Y 16.7, 26.7, 26.11, 71.23, Yt 22.39).

Gestalt des Krafttieres

    Über das Aussehen der Krafttiere habe ich bisher überhaupt nichts geschrieben. "Tiergeist" oder "Krafttier" betont ja irgendwie schon einmal, daß es sich dabei um ein tierförmiges Wesen handeln müsste. Eigentlich sollte es keinerlei Gesetzmäßigkeiten hinsichtlich der Gestalt oder der Art des Krafttieres geben. Eine gewisse Regelmäßigkeit schleicht sich bei längerer Beobachtung vieler Schamanen dann doch ein. Ich beobachtete im zentraleuropäischen Kulturraum, daß es erwartungsgemäß viele Adler, Hirsche, Füchse, Bären, Löwen, Katzenartige, Krähenvögel und noch eine Reihe weiterer Tierarten gibt, die bei uns heimisch sind.

    Nicht heimische Tiere tauchen auch immer wieder auf. Fabeltiere, Insekten, Reptilien, Spinnen und ausgestorbene Tiere sind eher selten. Haustiere tauchen (fast) nie auf. Eine Ausnahme ist das Pferd. Fischgeister und Krokodile sind ganz selten. Interessant ist, daß es fast nirgends eine spezielle Tierart ist, wie spanischer Kaiseradler, Saruskranich oder Turmfalke. Vermutlich tauchen diese Unterarten auch als Krafttiere auf, es ist nur der Mensch derjenige, der das nicht erkennt. Der Umstand, daß die meisten Menschen, die sich mit Schamanentum zu beschäftigen beginnen, nicht gerade intensiv naturnah leben, sondern eher dem "Großstadtdschungel" entstammen und daher wenig bis keine Kentnisse über wilde Tiere besitzen, ist wohl der eigentliche Grund dieser Allgemeinplätze bei den Krafttierarten.

    Gelegentlich verändern Krafttiere ihr Aussehen, auch menschenähnliche Gestalten können darunter sein. Sie besitzen Fähigkeiten, die über das Normale hinausgehen: Sie können sprechen und sich in untypischen Umgebungen zurechtfinden: Tauchende Wölfe, fliegende rosa Elefanten, in der Erde schwimmende Adler ... Während der Reise können Sie mit ihrem Krafttier verschmelzen. Ihr astrales Imago gleicht dann dem ihres Krafttieres. Ein intensiver Kontakt mit dem Krafttier kann in der alltäglichen Wirklichkeit faszinierende Wirkungen zeitigen. Tiere derselben Gattung reagieren auf stark präsente Tiergeister, und tendieren zu akzeptierendem Verhalten gegenüber dem Schamanen - oder reagieren mit intensivem Fluchtverhalten (Fressfeind!). Ein bewußtes "in sich Rufen" des Tiergeistes in alltäglichen Situationen kann auf Menschen, die sich in ihrer Umgebung befinden, ebenso eine interessante Wirkung haben. Die Fähigkeit des Krafttieres, die Gestalt zu verändern, war bei mir der Schlüssel der Erkenntnis, daß auch die Tierform eine "dem Betrachter wohlfeile" Gestalt sein muß. Seit einigen Jahren taucht Kondor in bestimmten Gelegenheiten als ein reines Energiewesen auf und gleicht dann vielmehr einem Engel als einem Tier. Das Krafttier ist, wie ein Engel, ein Wesen aus Licht und ohne Körper. Da ich mich in erster Linie mit meinem eigenen Totemtier beschäftige, weiß ich, daß es Legenden und Märchen darüber gibt, wie Kondor in Menschengestalt auftaucht und sogar Partnerschaften mit Menschen schließt. Ich wußte das bereits, bevor ich die ersten Textquellen dazu gelesen hatte. Ich nehme an, daß es bei vielen anderen Tierarten ähnlich ist, die dem Bewußtsein der Menschen nahe stehen.

Der Tiertanz

    In den Sagen eigentlich aller Völker gibt es deutliche Hinweise auf diese Praktik. Es wird von Menschen berichtet, die sich in Tiere verwandeln konnten. So ist der Werwolf beispielsweise eine Erinnerung an Schamanen, die den Wolf als Verbündeten hatten. In den germanischen Mythen wird häufig von dem Falkengewand Freyas gesprochen. Ein weiterer Hinweis, diesmal auf den Seelenflug in Tiertrance und auf den Brauch, Tierkostüme dazu zu verwenden.

    Um den Kontakt mit dem Krafttier zu festigen und zu vertiefen, kann der Tiertanz durchgeführt werden. Im Tiertanz wird das Krafttier in der alltäglichen Realität vom Schamanen dargestellt und verkörpert. Der Begriff Tanz ist dabei leicht irreführend, da es keine festgelegten Tanzschritte oder dergleichen dabei gibt. "Das Tier tanzen" meint vielmehr, sich vollkommen dem Krafttier und seinem Verhalten hinzugeben und die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren. Diese Art der Besessenheit kann sehr kraftvoll und intensiv sein. Das Tier fährt in den Körper des Schamanen ein, verdrängt das Ich des Schamanen und übernimmt für eine gewisse Zeit die Herrschaft über den Körper. Während dieser Zeit kann das Tier Heilungen am Schamanen und am Klienten durchführen oder der Schamane kann einen Seelenflug als Tiermensch oder gänzlich als Tier unternehmen. Das klingt spektakulärer, als es häufig ist. Der Tiertanz ist in der Praxis oft eher eine mäßig tiefe Trance. Die meiste Zeit kann der Tanz in kontrollierte Bahnen gelenkt werden. Je nachdem, wie weit der Praktizierende dabei gehen will, kann die Trance natürlich noch tiefer werden, bis hin zum völligen Verlust der Kontrolle und der totalen Besessenheit. Es findet immer ein Energieaustausch zwischen Tiergeist und Schamanen statt, welcher für beide Seiten von großem Nutzen ist. Tiertänze schaden dem Schamanen niemals. Allein die Tatsache, daß das Krafttier als der intimste Vertraute des Schamanen invoziert wird, schließt Schäden von vorneherein absolut aus.

    Für den Tiertanz ist es am besten, sich ausreichend Zeit für Vor- und Nachbereitung zu nehmen. Als erstes muß klar sein, auf welche Art die Trance induziert wird. Es gibt da natürlich mehrere Wege. Seiðr, Drogen, Trommeln, Atmungstechnik, Blutopfer, Imaginationsarbeit und Imitation sind die mir bekannten und von mir bereits erprobten Methoden. Ist die Tranceinduktion erst einmal geklärt, der Ort vorbereitet, eventuelle musikalische Begleitung abgesprochen oder per elektronischem Medium abrufbereit, kann der Tiertanz durchgeführt werden. Innerhalb größerer Gruppen fällt es leichter, in Tiertrance zu geraten. Während der Tiertrance äußert sich das Tier auf seine typische Art und Weise und verhält sich auch so. In einer Gruppe ist dies immer sehr interessant und macht viel Spaß. Nach einer gewissen Zeitspanne endet der Tiertanz auf irgendeine Weise. Eine Phase der Erholung und Normalisierung, d.h. Erdung, sollte folgen. Bannendes Lachen ist da meiner Erfahrung nach fehl am Platz, zum einen ist man ziemlich außer Atem, zum anderen ist es nicht sehr sinnvoll, positive Kräfte zu bannen. Als kraftvoll hat es sich erwiesen, vor dem Tiertanz ein wenig hungrig zu sein, denn Hunger gehört zu den Körpererfahrungen, die allen Wesen gemeinsam ist und die es dem Tiergeist einfacher machen, sich zu äußern.

    Innerhalb der schamanischen Praxis werden für diese Trancetechnik gerne Kostüme verwendet, die den Tiergeistern des Schamanen nachgebildet sind oder diese zumindest repräsentieren sollen. Ein solcher Tanzschmuck ist in unserer heutigen Zeit nicht unbedingt notwendig um die Tiertrance herbeizuführen, aber wenn sie die Möglichkeit bekommen, sich einen solchen selbst anzufertigen, dann ist dieses Schamanengewand natürlich ein wertvolles, heiliges und starkes, sowie individuelles Werkzeug. Neben der darstellenden haben diese Tanzkostüme natürlich noch weitere wesentliche Funktionen. Eine wichtige davon ist die Schutzfunktion. In diesem Zusammenhang interessiert aber eher das Kostüm als Mittel zur Verkörperung des Krafttieres. Masken können eine ähnliche Funktion erfüllen. Kostüme und Masken bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit in der Herstellung, Aufbewahrung und Verwendung.

Bei den Kwakiutl gab es verschiedene Tanzkostüme. Der Donnervogel spielt in der indianischen Mythologie eine wichtige Rolle. Links wird der Donnervogeltanz auf einem Kanu anläßlich einer Heirat durchgeführt. Rechts ist das Tanzkostüm besser zu betrachten. Dabei muß der Tänzer auch noch über einen ausgezeichneten Gleichgewichtssinn verfügen, sonst geht er baden.

    Dabei ist es wichtig, den Geist zu fragen, der mit dem Kostüm dargestellt und gerufen werden kann. Weiherituale und spezielle Anforderungen an den Schamanen können damit verknüpft sein. Tierkostüme sind sehr stark aufgeladene schamanische Gegenstände, die es dem Schamanen ermöglichen können, innerhalb von wenigen Augenblicken komplett in Trance zu geraten. Es muß nicht sein, daß das Kostüm aus echten Tierteilen besteht, es ist ohnehin schwierig in unseren Tagen beispielsweise ein Wolfsfell, ein Bärenfell oder ausreichend viele Mauserfedern zu bekommen. Eine Repräsentation nach den Angaben ihres Tiergeistes wird die Regel sein. Betrachten Sie es als außergewöhnliche Ehre, echte Teile ihres Krafttieres verarbeiten zu können. Oft gelangen diese Dinge dann auch zu ihnen, ohne daß Sie viel investieren müssten! Als Materialien haben sich Filz, Leder, natürliche Komponenten wie Holz, oder auch Glasfaser oder Fiberglas zur Stabilisierung bewährt. Eine Bedingung sollten Sie dabei nicht vergessen: Das Tanzkostüm muß stabil genug gebaut werden, so daß es sich nicht in seine Einzelteile zerlegt, wenn Sie sich mal eine zeitlang darin bewegen. Bedenken Sie, daß Sie sich höchstwahrscheinlich in tiefer Trance befinden, während Sie das Kostüm tragen! Schellen oder Zimbeln anzubringen ist auch eine gute Idee. Zum einen vertreibt das Geräusch schlechte Geister, zum anderen bringt sie das Klingeln besser in Trance.

    Das Anlegen des Tanzschmuckes ist eine sehr diffizile Angelegenheit, denn durch das Anlegen verwandeln Sie sich energetisch immer mehr in ihr Krafttier, oder in das Wesen, welches durch den Schmuck seinen Ausdruck findet. In meiner eigenen Praxis ist das Anlegen des Schmuckes bereits ein wichtiger ritueller Akt, den ich langsam und mit Respekt vollziehe. Während ich allmählich immer mehr Teile des Tanzschmucks anlege, spüre ich die Veränderung und den schrittweisen Vollzug der Verwandlung in den Kondorgeist. Einmal ließ ich mir dabei länger Zeit und konnte die feinen Unterschiede wahrnehmen. Diese Übergangssituation führt zu einem extrem labilen emotionalen Gleichgewicht. Je stärker ein solcher Federschmuck aktiviert oder aufgeladen ist, desto intensiver ist die Erfahrung der langsamen Verwandlung. Bei aufwendigeren Kostümen werden Sie auch Hilfe beim Anlegen benötigen - es ist sehr wichtig, sich genau zu überlegen, in welcher Reihenfolge die Einzelteile des Schmucks angelegt werden und bei welchen Sie diese Unterstützung brauchen. Versuchen Sie dabei, die Hilfestellungen auf die allernotwendigsten Handgriffe zu reduzieren. Sprechen Sie auch mit ihrem Assistenten darüber. Es sollte jemand sein, der vertrauenswürdig ist und natürlich von ihrem Verbündeten akzeptiert wird, den Sie mit dem Schmuck und der Trance in sich rufen.

    Am besten sollte diese Person aus eigener Erfahrung wissen, wie man mit diesen Dingen umgehen muß und über die Bewußtseinszustände Kenntnisse besitzen, in denen Sie sich in den verschiedenen Phasen des Anlegens befinden. Bevor Sie allerdings irgendwen überhaupt in die Nähe ihres Tanzschmucks lassen, besprechen Sie das zuallererst mit ihrem Krafttier. Das letzte Wort haben in diesen Situationen immer die Geister. Analog zum Anlegen ist natürlich das Ablegen des Schmucks. Das Ablegen des Schmucks ist der Abschluß des Gesamtrituales und sollte entsprechend würdevoll vollzogen werden. Wie Sie es sich bei meinem Federschmuck denken können, benötige ich beim An- und Ablegen Hilfe. Nach einigen Jahren Tüftelei habe ich diese Notwendigkeit auf ein absolutes Minimum reduzieren können.

Andere Instanzen in der Geisterwelt

    Es gibt eine ganze Menge verschiedener Instanzen (oder besser: Geister), die innerhalb der schamanischen Reise kontaktiert werden und von denen wir Informationen erhalten können. Spezialisten für ganz bestimmte Probleme lassen sich in der Regel einfach finden. Wenn Sie das Krafttier darum bitten, zu einem Spezialisten gebracht zu werden, der sich mit der Sachlage auskennt, beispielsweise einem Geist, der sich auf Symbole spezialisiert oder einem, der genaue Informationen über den Aufenthaltsort verlorener Seelenteile besitzt, dann werden Sie in der Regel schnell neue Kontakte knüpfen können. Es kann natürlich sein, daß diese Geister irgendeine Neigung besitzen oder zunächst einmal von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt werden müssen. Die meisten jedoch sind relativ freundlich und geben ihnen bereitwillig Auskunft.

    Ein recht wichtiger Geist wird ihr schamanischer Lehrer sein. Dieser Geist ist neben ihrem Krafttier innerhalb der gängigen schamanischen Praxis, wie sie sich in unseren Breiten eingebürgert hat, wohl einer der wichtigsten. In den Basiskursen der Foundation for Shamanic Studies oder des Arbeitskreises für Schamanistik wird dieser Geist den Teilnehmern neben dem Krafttier gleich zu Beginn nahe gebracht. Normalerweise ist die Gestalt des Lehrers eher menschlich als tierisch und kann religiös beeinflußt sein. Christen würden am ehesten Jesus Christus als Lehrer finden (muß aber nicht sein), Moslems logischerweise Mohammed. Es kann aber ebenso gut eine völlig nicht menschliche Gestalt sein: Ein Stein, eine Wolke, ein Energiefeld, ein Baum, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ihrem Lehrer sollten sie unbedingt mit Respekt begegnen. Ohne Fragen bei ihm aufzutauchen, kann beleidigend sein. Also besser immer ein paar davon in Reserve halten.

    Die Antworten ihrer Verbündeten sind nicht unbedingt verbalisierte Anweisungen, sondern können sehr stark verschlüsselt oder bildhafter Natur sein. Selbst der Ort oder das Verhalten des Verbündeten kann aufschlußreich sein. Wenn ihr Lehrer bei einer Reise zu der Frage "Wo stehe ich in meinem schamanischen Weg" am Fuß eines steilen Berghanges steht, an dem eine fast unsichtbare Serpentine zu sehen ist, Sie aber mehr oder weniger im Regen stehen läßt und gar nichts sagt oder tut, können Sie sich ausmalen, was dieses Bild in diesem Zusammenhang wohl bedeuten mag. Es ist übrigens besser, Fragen zu stellen, die jemand anderes hat und ihnen in ihrer Funktion als schamanischer Berater gestellt hat. Fragen über das persönliche Befinden oder andere Dinge, die Sie sicherlich wissen wollen, werden selten von den schamanischen Lehrern beachtet - und wenn, so kann es gut sein, daß Sie sich selbst etwas vorgaukeln. Bedanken Sie sich immer bei den Verbündeten, egal ob Sie nun der Ansicht sind, eine Antwort erhalten zu haben oder nicht. Auch diese Verbündeten können Sie im Rahmen eines Tanzes in sich rufen. Diese Erfahrung ist jedoch in ihrer Qualität eine gänzlich andere als der Tiertanz. Mein eigener Lehrer tendiert gelegentlich dazu, innerhalb einer schamanischen Sitzung in mich zu fahren und die gesamte Sitzung hindurch präsent zu sein.

    Wenn Sie mit Krafttier(en) und Lehrer einen guten Kontakt aufgebaut haben und sicher in ihrer Reisetechnik geworden sind, lohnt es sich, auch andere Instanzen und Wesenheiten im Zwielicht kennenzulernen. Das ist insofern wichtig, da diese Wesen nicht unbedingt freundlich oder ihnen gegenüber aufrichtig sein müssen. Je nach mythologischem Hintergrund können Sie eine ganze Menge verschiedener Wesen in ihren Reisen kontaktieren. Dabei stehen ihnen alle Orte sämtlicher Mythen auf der Welt offen und Sie können beispielsweise indische Götter treffen, altbabylonische Geister, Loas aus Haiti, den Orishas in Kuba oder dem Ankari der Anden. Auch in Europa gab und gibt es eine eigene Überlieferung verschiedener Wesenheiten mit ihren Aufgabenbereichen. Ich denke da an die wiederbelebte alteuropäische Religion mit ihrer Götterwelt, den Runen und an die Engel, die im Rahmen der zeremoniellen Magie kontaktiert werden können. Wenn Sie sich also mit Mythen beschäftigen und über ein Wesen mehr herausfinden wollen, als ihnen auf normalem Wege zugänglich ist, können Sie sich von ihren Krafttieren oder Verbündeten zu ihnen bringen lassen - oder sich Wege zeigen lassen, einen Kontakt zu bewerkstelligen.


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